Das Online-Magazin aus Eschborn am Taunus
21.05.2010
Das größte Projekt, das Eschborn je in Angriff genommen hat, nämlich der Neubau von Rathaus und Stadthalle in der von den Mehrheitsfraktionen aus CDU und FDP geplanten Form, wird von der größten Oppositionsfraktion abgelehnt. Dies verkündete Fraktionschef Reinhard Birkert am Donnerstag auf einer öffentlichen Mitgliederversammlung der SPD.
Dabei seien der Entscheidung durchaus lange und auch kontroverse Diskussionen innerhalb von Fraktion und Partei vorausgegangen. Nun aber legte sich Birkert fest: „Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs sind für Eschborn nicht akzeptabel.“ Das Projekt sowie der zugrundegelegte hohe Flächenbedarf seien überdimensioniert und für eine Stadt wie Eschborn geradezu „abenteuerlich“
Einigkeit mit der Koalition: Stadthallenneubau ist sinnvoll
Man verkenne keineswegs, dass die Stadthalle in die Jahre gekommen sei und den Anforderungen nicht mehr genüge. Deshalb plädiere die SPD für einen Neubau der Stadthalle und bringt dafür die Fläche zwischen Rathaus und Stadtpfad ins Gespräch, also den Bereich der ehemaligen Rathausgaststätte, der angrenzenden Gebäude (einschließlich der bereits im Eigentum der Stadt befindlichen älteren Gebäude entlang des Stadtpfades) sowie des derzeitigen Parkdecks.
Das eigentliche Rathaus, das erst 1991 durch Anbauten erheblich erweitert wurde, solle aber erhalten bleiben. Auch die jetzige Stadthalle könne nach einem Umbau dazu dienen, eventuellen Flächenmehrbedarf für die Verwaltung abzudecken. Und wenn das nicht reichen sollte, könne man immer noch die Büroflächen über dem Ladenzentrum mit dem Rewe-Markt nutzen. Dieses Gebäude befindet sich ebenfalls bereits im Eigentum der Stadt.
Auch die Anzahl der geplanten zusätzlichen Parkplätze in einer Tiefgarage stellt die SPD in Frage. Die von der CDU/FDP-Koalition favorisierte Planung sieht laut einem Papier des von der Stadt beauftragten Beraters Ernst & Young 280 Stellplätze vor – ohne die Stellplätze in der bisherigen Tiefgarage unter dem Rathausplatz sowie ohne die seit einigen Monaten verfügbaren weiteren 144 öffentlichen Stellplätze unter der „Neuen Mitte“.
70 oder 100 Millionen Euro?
Während Birkert von einem „100-Millionen-Projekt“ spricht, sollten die Koalitionspläne verwirklicht werden, nennt Bürgermeister Speckhardt – basierend auf einem Papier von Ernst & Young – Baukosten von „nur“ 70 Millionen Euro. Dieser Betrag sei unrealistisch, so die SPD-Fraktion. Einerseits seien die bisherigen Berechnungen sehr pauschal und beruhten auf einem veralteten Baukostenniveau, andererseits seien wichtige Positionen wie notwendige Grundstückskäufe, Kosten für eine bei einem Abriss notwendige Interimsunterbringung der Verwaltung sowie Kosten für die Ausstattung noch gar nicht enthalten.
Wahlkampfthema für Kommunalwahl 2011?
Obwohl es sich bei der SPD-Veranstaltung am Donnerstag eigentlich um eine öffentliche Mitgliederversammlung handelte, nahmen auch Kommunalpolitiker der beiden anderen Oppositionsfraktionen (Grüne und Linke) sowie der FDP-Abweichler und Stadtverordnete Michael Bauer teil. Einiges deutet also darauf hin, dass das Riesenprojekt eines der zentralen Themen für den bevorstehenden Kommunalwahlkampf werden könnte.(fwh)
Bild: Stadt Eschborn. Es zeigt den Entwurf, der im Architektenwettbewerb den ersten Preis erhielt.
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