Kategorie: Buchbesprechungen

Benedikt Gollhardt: Westwall

Hochaktueller Politthriller, der besonders unter Berücksichtigung der erst vor Kurzem veröffentlichten NSU-Untersuchungsausschuss-Berichte der Länder und des Bundes an Brisanz gewinnt. Der Autor bearbeitet in seinem Thriller den rechtsextremen Terrorismus, die unkontrollierten, an Willkür grenzenden Machenschaften des Verfassungsschutzes und der Vernetzung von Polizeibeamten in nationalen, rechten Bündnissen. Und wie er selbst sagt, die großen Themen, wie Liebe, Verrat und Moral.

Sehr spannende Geschichte, die gut erzählt ist und leider von der Realität nicht zu weit entfernt! Man merkt einfach, dass Benedikt Gollhardt Journalist und erfahrener Drehbuchschreiber ist.

 

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Peter Hofmann: Whisky, Whiskey, Schottland, Irland, Nordirland

Wenn einer Schottland, Irland oder Nordirland als Reiseziel aussucht, hat er meis-tens einige Ziele, die man unbedingt besuchen und sehen will. Dabei kommt man in diesen drei Ländern gar nicht am Whisky vorbei. Whisky-Destillierien gehören dazu und sind eigentlich auch ein Muss. Meistens ist der Sprung von einer Se-henswürdigkeit oder bekannten Destillerie zur nächsten zu weit. Was macht man dazwischen? Wo ist der nächste gute Pub? Wo kann ich übernachten? Wie plane ich die Reise sinnvoll?

 

 

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Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit

Eine echte Perle der Kriminalliteratur. Einzigartig wie der Autor es versteht mit den Begriffen der Zeit zu spielen. Da ist der Protagonist, Mario Conde, der mit seinem 60 Geburtstag hadert und die Zeit gerne zurückdrehen möchte. Die Suche des Detektivs nach der Schwarzen Madonna unterbricht der Autor mit einem Zeitsprung ins Zeitalter der Kreuzritter und deren Niedergang. Auch beobachtet Padura sehr genau und kritisch die letzten Jahrzehnte der Insel Cuba und ihrer Bewohner. Er beschreibt Slumviertel die es früher nie gab. Ein außergewöhnlicher Kriminalroman und Pflichtlektüre für jeden Kubareisenden.. Weiterlesen

Die Libelle Mini-Serie, DVD und Blu-ray

Die Libelle ist eine Mini-Serie mit sechs Teilen, die nach einem Spionage-Thriller von John le Carré verfilmt wurde. Sie spielt authentisch im Jahre 1970 und es geht um den israelischen und palästinensischen Terror. Nach einem Bombenanschlag, bei dem der kleine Sohn eines jüdischen Attaché in Deutschland getötet wird, setzt der Geheimdienstchef des Mossads Kurtz alles daran die Mörder, zwei palästinensische Brüder zu finden. Dafür setzt er zur Rekrutierung seinen Spitzenmann Becker auf eine junge, idealistische und leicht gelangweilte britische Schauspielerin Charlie an. Erst denkt Charlie, dass sie als Doppelagentin die Rolle ihres Lebens spielen wird, doch dann geht ziemlich alles schief. Sie verliebt sich in Becker, sympathisiert mit den Palästinensern und kommt dem Mann, der für den Bau der Bomben verantwortlich ist viel zu nahe. Gefangen wie in einem Spinnennetz kann Charlie irgendwann nur noch agieren und verliert den Glauben an Recht und Unrecht, an Moral und Menschlichkeit.

Ein großartiger Spionage-Thriller mit einem exzellenten Alexander Skarsgard, der den undurchschaubaren, kalten Verführer spielt. Auch Florence Pugh zeigt eine Spitzenleistung als die, in ihren Gefühlen zerrissene Charlie.

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Der kleine Gartenversager, Vom Glück und Scheitern im Grünen, Stefan Schwarz

Man kann herzlich lachen und vor sich hin schmunzeln, beim Lesen dieses hübsch illustrierten Büchleins. Aus seiner fünfzehnjährigen Erfahrung als Pächter einer Parzelle im Kleingartenverein Leipzig erzählt Stefan Schwarz und vergisst dabei nicht, ordentlich über sich selbst zu lachen. Ob es nun die seelisch-psychologische Analyse von verkümmerten Radieschen ist oder das militärische Potential der Tomate „Harzfeuer“, die kleinen Geschichten sind entzückend. Nicht nur ein stolzer Gartenbesitzer in einer Kleingartenanlage wird seine Freude daran haben, auch Reihenhausbesitzer mit Badelaken großen Gärtchen werden begeistert sein.

Ideal als Geschenk für Kleingartenfreunde oder einfach nur für sich selbst!

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Rocko Schamoni: Große Freiheit

Der Autor Rocko Schamoni erzählt romanhaft die Lebensgeschichte einer Kiezgröße aus St. Pauli. Da er diese Szene intensiv kennt und auch mit Wolli Köhler, dem Protagonisten des Buches, bekannt ist, schenkt er uns einen tiefen Blick in den Kiez der 60er Jahre. Es geht aber nicht nur um Prostitution sondern auch um die Künstlerszene der damaligen Zeit. Starclub und die Musiker die dort aufgetreten sind wie die Beatles, Little Richard und viele andere sind den Älteren ein fester Begriff. St. Liederlich der Inbegriff der antibürgerlichen Gesellschaft. Weiterlesen

Daniel Siemens: Sturmabteilung, Die Geschichte der SA

Ein beeindruckendes Werk. Der Autor beschreibt in aller Deutlichkeit wie sich eine Nationalsozialistische Bewegung in der NSDAP von zunächst 60.000 Menschen zu einer Massenbewegung von über 3 Millionen Menschen entwickelt. Dabei beschreibt er die Entwicklung von 1927 über den Röhmputsch hinaus. Wie er auch in einem Vortag am Fritz Bauer Institut in Frankfurt deutlich mache, waren nicht nur gescheiterte Existenzen in dieser Bewegung vertreten, auch besonders evangelische Theologen waren für diese Ideologie sehr empfänglich. Weiterlesen

Heinrich Steinfest: Der schlaflose Cheng

Steinfest ist der Literarische Georg Kreisler. A bisserl schräg, gewitzt und ein ausufernder Erzähler. Er vermag eine spannende Kriminalstory mit Sience Fiktion, Länderbeschreibungen und Kulturgeschichte so zu vermischen, dass ein rundum gelungenes Buch herauskommt. Mit seinem einarmigen Detektiv, dessen fiktionalen Hund, schickt er uns in den entlegensten Winkel Islands. Auf dieser Reise treffen wir, die Leserschaft, die skurrilsten Menschen. Den isländischen Polizisten der ein Schweitzer ist, eine Sekretärin die eigentlich Detektivin sein sollte. Ein Buch wie ein Füllhorn mit ausgefallensten Einfällen. Weiterlesen

Fiona Jeffries: Wir haben nichts zu verlieren außer unsere Angst. Vom Widerstand in schwierigen Zeiten

Der Widerstand in schwierigen Zeiten war schon immer mutig und vor allem wichtig. Gerade jetzt befinden wir uns wieder in einer globalen Krise, die weitschürfende Veränderungen bewirkt kann. Die Zeiten des Aufbruchs in mehr Solidarität, Toleranz und Globalisierung scheinen vorbei zu sein. Jetzt reagieren nicht nur die diktatorisch, despotischen Regierungen mit strengerer Sparpolitik auf Krisen, sie stocken zur gleichen Zeit wieder die Etats fürs Hochrüsten der „öffentlichen Sicherheit“ auf. Die Welt hat mehr Migranten, die ihre Heimatländer verlassen als je zuvor. Das alles macht Angst!

Wirklich? Oder ist die Angst, den eigenen sozialen Status zu verlieren, arbeitslos oder sogar obdachlos zu werden, die Angst vor der Zukunft nur ein Mittel zum Zweck, um die Bürger klein und ruhig zu halten? Wird Angst als Waffe missbraucht, um Kontrolle zu behalten?

Diese Frage stellt Fiona Jeffries acht Experten in ihrem hervorragenden, klugen und vor allem interessanten Buch. Ein Augenöffner für alle, die Angst um die Welt haben, die den besonderen Kick brauchen, wieder auf die Straße zu gehen und „Nein“ zu sagen. Wir bestimmen unsere Welt unsere Gesellschaft und eigentlich haben wir nichts zu verlieren. Außer unsere Angst!

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Gary Victor: Im Namen des Katers

Neuer Fall für den Dirty Harry von Port-au-Prince. Der Autor entführt uns in die Unterwelt von Haiti. Diese Land das absolut in kein Schema passt, das scheinbar nur aus Korruption, Misswirtschaft und Verbrechen besteht, hat einen aufrechten Polizisten. Na ja, aufrecht im Sinne einer rechtstaatlichen Sicht ist das natürlich nicht. Da räumt Inspector Azémar schon mal mit seinem Dienstrevolver Bösewichte von der Bildfläche. Gary Victor ist zu sehr Journalist als das er nicht auch die herrschenden Verhältnisse in Port-au-Prince darstellt. Weiterlesen