Gay Talese: Der Voyeur

Da ist einer, der hat ein Motel und beobachtet 15 Jahre lang durch ein präpariertes Loch Menschen. Er schreibt auf was er sieht und teilt es dem Sachbuchautor Talese mit. Schockierend? Erhellend? Studie? Es ist auch ein bisschen von Allem. Am Ende des Buches vergleicht der Voyeur die Überwachung des Staates mit seinen vielen Kameras mit seinem Voyeurismus. Interessant!

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Kerstin Ehmer: Der weiße Affe

Berlin in der Weimarer Republik war ein Schmelztiegel in all seinen Facetten. Schillernde Bars und sexuelle Freiheit charakterisieren die Großstadt genauso wie Antisemitismus und die schwelenden Vorboten des Nationalsozialismus. Die Autorin versteht es, die brodelnde Atmosphäre dieser widersprüchlichen Zeit spürbar zu machen. Großbürgertum, Verelendung der Bevölkerung besonders der Kinder. Dabei bedient sie sich einer Sprache, deren Schönheit das Flair der Goldenen Zwanziger lebendig einfängt und gleichzeitig modern daherkommt.

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Gisbert Haefs: Das Ohr des Kapitäns

Das Ohr des Kapitaens von Gisbert Haefs

Ein Ohr macht Geschichte. Das abgeschnittene Ohr eines englischen Kapitäns löst einen Krieg aus. Die Jahre 1713-35 werden von Gisbert Haefs wunderbar in einem Seefahrer Roman zusammengefasst. Immer wenn man Seefahrergeschichten dieser Zeit liest handelt es sich um Sklavenhandel, oder Schmuggel. Freibeuterei ist an der Tagesordnung. Aber die geschichtlichen Zusammenhänge macht erst dieser Roman deutlich.

 

 

 

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Wolfger Pöhlmann: „ Es geht um die Wurst“

Es geht um die Wurst von Wolfger Poehlmann

Das wurde aber auch Zeit! Nachdem die Landschaftsgärtner zu Architekten avanciert sind, die Köche zu Künstlern erkoren wurden, sind nun endlich und mit Recht, auch die Metzger, Schlachter, Fleischer (im Norden Schlachter, in der Mitte Deutschlands Fleischer und im Süden Metzger) in diese Hemisphären aufgenommen worden. Dank Wolfger Pöhlmann! Deutschland der Wurst und des Brotes. Aber in der Not frisst der Teufel die Wurst auch ohne Brot. Das vorliegende Werk ist also ein Aufklärungsbuch über ein Nahrungsmittel. Weiterlesen

Daniel Suarez: Bios

Ein SiFi Roman der dadurch besticht, dass er die Leserschaft nicht in ferne Welten entführt, sondern die Erde zeigt wie sie im Jahre 2045 sein könnte. Vieles erschreckt und ist doch glaubwürdig. Die technologische Entwicklung mag weit hergeholt sein, aber wenn wir uns die Entwicklung der letzten 30 Jahre anschauen, dann erscheint vieles was der Autor schildert möglich zu sein. Was erschreckt sind die Flüchtlingsströme die sich, so der Autor auf 70 Millionen Menschen summieren. Diese versuchen in die neuen Boom Metropolen, und die liegen in Asien, zu kommen. Die Versuche am und mit Menschen sind brutalst. Ein Roman der es in sich hat und Denkanstöße mit Höchstspannung liefert.

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John le Carré: Das Vermächtnis der Spione (Ein George-Smiley-Roman 9)

Es ist der Kalte Krieg. Die Spionageabteilungen der Siegermächte feiern fröhliche Urständ. Doppelagenten und Menschen die einfach nur das Beste für ihr Land tun wollen werden durch die Mühlen der Geheimdienstbürokraten gedreht, verraten und erschossen. Diese Szenarien setzt der große Meister des Spionagethrillers John le Carré, in Szene. Der Spion, der aus der Kälte kam ist zurück – Der ultimative Roman über die dunklen Seiten der Geheimdienste. Ein Blick hinter die Kulissen der „Schlapphüte“.

 

 

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Film: 1000 Arten Regen Zu Beschreiben, Kinostart 29.März 2018

Rezension von Lutz Reigber

Melodrama

Seit vielen Wochen hat sich Mike, gerade 18 geworden, in seinem Zimmer eingeschlossen. Er ist nicht krank. Er hat sich bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen. Die Eltern Susanne (Bibiane Beglau), Thomas (Bjarne Mädel) und seine Schwester Miriam (Emma Bading) stehen fragend vor der Tür und warten, fordern, flehen, weinen, rasten aus, verzweifeln, beschuldigen, ignorieren und hoffen. Doch die Tür bleibt verschlossen. Im Kampf um den Sohn und Bruder spiegeln sich die eigenen Geschichten in Lügen, Ablenkung, Familienstreitigkeiten und Hilflosigkeit. Die Mutter sucht sich einen Ziehsohn, der Vater entwickelt ein Helfersyndrom und die Schwester hat Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden. Je mehr sie nach Mikes Gründen forschen oder vor ihrer Ohnmacht fliehen, desto deutlicher werden ihnen ihre eigenen Verkettungen mit dem Leben, das sie nie wirklich hinterfragt haben, und das sie dem entsprechend nie wirklich bewusst angenommen haben.

 

Am Ende erkennen sie, dass sie durch ihr Verhalten der Rücksicht, der Fürsorge und Versorge, es Mike ermöglicht  haben, sich auf Dauer zurück zu ziehen. Es gibt nur einen Ausweg Mike zu helfen.

 

Ein durch die Akteure sehr gut getragenes Melodram, das den Regen unserer Zeit zeigt. Auch wenn es langatmig erscheint, bleibt man doch gefangen dabei um zu sehen, wie es mit den Protagonisten weiter geht.

Die Regisseurin Isa Prahl, 1978 geboren, studierte zunächst Grafik-Design in Hamburg sowie Literatur, Kultur und Medien in Siegen. Nach einem Redaktionsvolontariat in Köln begann sie ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien. Dort konzentrierte sie sich vor allem auf die kurze Form des Geschichtenerzählens.

„1000 Arten Regen zu Beschreiben“ ist ihr erster Langfilm und ist am 29.März 2018 erschienen.

Und dann gleich mit einem Problemfall der Neuzeit. „1000 Arten Regen zu Beschreiben“ bezieht sich auf das japanische Phänomen Hikikomori, welches sich jetzt auch in Europa zeigt. Jugendliche, die sich von der Gesellschaft zurückziehen und sich über Wochen oder sogar Monate einschließen, aus Gefühlen der Überforderung , Versagensängste und Erwartungshaltungen anderer, deren sie sich nicht gewachsen fühlen. Der Leistungsdruck, die vielen Entscheidungsmöglichkeiten, die Verpflichtungen, die sozialen Anpassungen bringen diese Jugendlichen auf dem Weg des Erwachsenwerden und Selbstfindung zur Überforderung und somit in die Isolation.

In Japan soll es schon mehr als 1 Million Jugendliche geben.

Die Szenenfotos wurden freundlicherweise honorarfrei von Filmpresse Meuser, Frankfurt zur Verfügung gestellt.

 

 

Die Einsamkeit des Todes, Petra Johann

Seit Jahren sind die beiden Brüder Max und Tobi zerstritten. Denn ausgerechnet auf einer Hochzeit erfuhr Max, dass seine schwangere damalige Verlobte eine Affäre mit seinem jüngeren Bruder Tobi hatte. So brach Max den Kontakt zu Tobi ab und trennte sich noch in dieser Nacht für immer von Sarah. Zwei Jahre später erhält er anonyme SMS, in denen er als Sarahs Mörder tituliert wird und dessen nicht genug, erfährt er bei der Testamentseröffnung seiner verstorbenen Mutter, das beide Brüder nur erben, wenn sie die Weihnachtsfeiertage gemeinsam im Elternhaus verbringen.

Als dann in dem Wald in der Nähe des Elternhauses, Sarahs alter Koffer gefunden wird, interessiert sich die Polizei plötzlich für die alte Geschichte, denn es bleibt nicht nur bei dem Koffer, nicht weit entfernt, liegt auch eine weibliche Leiche.

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Simon Beckett: Totenfang

Endlich ist der vierte Roman der Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter auch als Taschenbuch erschienen. Es hat einige Jahre gedauert, bis der Autor den vierten Band nachlegte, doch es hat sich gelohnt. Ein sehr spannender Thriller, der an Leichen nicht geizt. David Hunter ist seit dem Skandal nicht mehr bei der Polizei gefragt, selbst seine Stelle an der Universität steht auf wackeligen Beinen, als endlich wieder ein Anruf kommt. In den Backwater wurde eine Wasserleiche gesichtet und man braucht einen Spezialisten bei der Bergung. Ein brisanter Job, da vermutet wird, dass der Tote Leo Villiers, der Spross eine der einflussreichsten Familien in der Gegend ist. David plant den Job kurz einzuschieben, bevor er das Wochenende mit Freunden verbringt. Nur daraus wird nichts! Denn kaum ist die Leiche an Land gebracht, landet David selbst im Wasser. Sein Wagen wird fast von der Flut erwischt, er wird pitschnass, krank und findet sich dann im Bootshaus der Familie wieder, die mit Leo Villiers Verschwinden eng verknüpft ist.

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Tom Wolf: „Roter September“, Ein Brandenburg – Krimi

Mut wird belohnt. Man soll sich doch immer mal an andere Autoren ran wagen. Mein erster Brandenburg-Krimi von Tom Wolf und bestimmt nicht der Letzte. In diesem Krimi geht es um den ehemaligen Revierpolizisten Leo Pauluth, der versucht seinen Lebensabend nicht nur mit Wein genießen, sondern gleich mit Weinbau mitten in Brandenburg Prignitz zu verschönern. Doch da passiert es, dass ein bekannter Rebenhändler tot aufgefunden wird. Überzeugt, dass seine ehemaligen Kollegen auf der falschen Fährte sind, ermittelt Leo Pauluth auf eigene Faust. Schnell stellt sich heraus, dass hinter dem vermeintlichen Raubmord mehr steckt. Die Ermittlungen führen zu württembergischen Winzern, Händlern, Weinbünden, russischen Sportlern und alten Reben, bis hin zu Zuchtversuchen der Nazizeit.

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