Claudia Zaltenbach: T O F U, Yuba & Okara

Wenn ich ganz ehrlich bin, mein erster Mozzarella hat mir auch nicht geschmeckt. Ich fand ihn fade, geschmacklos und uninspirierend. Erst nachdem ich ihn mit guten Tomaten (leider gibt es in den wenigsten Restaurants gute Tomaten, selbst beim Italiener nicht) und etwas gutem Olivenöl gekreuzt habe, kam ich in den Genuss. Seitdem bin ich Mozzarella-Fan und habe sogar einige eigene Rezepte kreiert. Als Involtini in Parmaschinken eingewickelt, lauwarm, mit einem frischen Tomaten – Olivenölfond übergossen. Ein Gedicht!

Genauso habe ich über Tofu gedacht, fade, geschmacklos, trocken. Wer will das den Essen? Ich kann gar nicht verstehen, was die Vegetarier und Veganer daran finden. Auch eigene Kreationen waren für mich nicht der Bourner. Irgendetwas musste ich falsch gemacht haben. Vielleicht hätte ich wie Claudia Zaltenbach auch mal Japan, China und Korea besuchen sollen und mich ebenso wie sie in Tofu –Restaurants überraschen lassen. Weiterlesen

Aeneas Rooch: Mein wasserdichtes Baby

Als ich diesen Titel in der Vorschau sah, wurde ich neugierig, da als frisch gewordener Großvater, natürlich ein Interesse besteht zu verstehen wie das mit dem Enkel weitergeht. Viele Schritte in der Entwicklung meines Enkels kann ich nun voraussehen, weil der Autor diese Entwicklungsschritte wissenschaftlich und detailgenau erklärt. Spannend ist es auch zu lesen, wenn der Autor die Frage aufwirft: sollen Eltern Schnuller ablecken? Wenn wir wissen, dass viele Kinder Allergien haben könnte es doch sein, dass wir es mit den hygienischen Bedingungen die wir unseren Kindern zumuten übertreiben und es daher vielleicht sinnvoll erscheint mit den körpereigenen Abwehrkräften unsere Kinder zu Konditionieren. All diese Fragen beantwortet uns der Autor. Weiterlesen

Regina Porter: Die Reisenden

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was Erzählen. In ihrem Debütroman nimmt uns Regina Porter  mit auf eine Reise über 6 Jahrzehnte der US–Geschichte und zweier Familien, die eine schwarz, die andere weiß. Ein Debütroman stilistisch einwandfrei, wortgewaltig und fordernd. 6 Jahrzehnte US– Geschichte beginnend in den Fünfzigern von der Bürgerrechtsbewegung, dem Mord an Martin Luther King bis hin zu Obama beschreibt Regina Porter das Leben zweier Familien vom Rassismus, Vietnamkrieg und deren Traumata, Homosexualität, Ungleichheit und befreienden Aufenthalt im Ausland. Weiterlesen

Die Toten von Inverness, G.R. Halliday

Dieser Krimi aus den schottischen Highlands ist das Debüt vom G.R. Halliday. Es fehlt dem Krimi auf keinen Fall an Spannung. Er ist zum Teil auch ordentlich gruselig. Nur hätte er hundert Seiten weniger vertragen können, um das zu sein, was man atemlos und crispy nennt. Aber in diesem Band führt der Autor seine Charaktere erst ein und braucht das eine oder andere Wort mehr. Auch müssen sich seine Protagonisten noch abschleifen, vor allem die eigenwillige DI Monica Kennedy.

Trotzdem ist der Krimi packend und sehr lesenswert. Ein gutes Debüt, das bestimmt vom Autor mit dem nächsten Band getoppt werden kann.

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Eva-Maria Schnurr, Uwe Klußmann: Die Macht der Geheimdienste

Gastbeitrag: Ulrich Steiner:

Wer ermöglichte den Siegeszug Napoleons hinter den Kulissen, wer baute den ersten professionellen englischen Geheimdienst auf und wie wurde die Enigma geknackt? Insgesamt 15 freie Journalisten, Autorinnen und Redakteure des Nachrichtenmagazins SPIEGEL haben in dem Buch über Agenten, Spione und Spitzel einen Einblick geschaffen, in das wahrscheinlich älteste der Gewerbe der Welt.

Obwohl bereits im alten Ägypten Spione organsiert im Einsatz waren und schon Moses laut dem Alten Testament der Bibel Kundschafter mit klarem Auftrag losschickte, gilt geschichtlich erst die Zeit ab dem Mittelalter als Beginn von professionalisierter Geheimdienstarbeit. Historiker mögen darüber streiten. Weiterlesen

Lüders, Michael: Die Spur der Schakale

Eigentlich ist es nur Fiktion, aber tatsächlich erinnert dieser Thriller an die Gegebenheiten in der heutigen Wirtschaftswelt. Es gibt die größte Investmentgesellschaft, BlackRock, im Buch Blackhawk genannt, und es gibt den norwegischen Staatsfond, der viele hunderte Milliarden Euro verwaltet. Aus diesem Szenario hat der Autor ein spannendes Milieubild gezeichnet. Wenn sich auf hoher Ebene wenige Gesellschaften tummeln, ist es nur natürlich, dass versucht wird sich gegenseitig aus zu tricksen. Dieses austricksen hat natürlich auch damit zu tun, dass man versucht Informationen zu beschaffen, die der andere nicht hat. Hier spielen die Geheimdienste an vorderster Stelle natürlich die CIA und die NSA eine große Rolle. Immer hat man beim Lesen dieses Buches das Gefühl, dass der Autor sehr genau weiß von was er hier schreibt. Weiterlesen

Natascha Battus: Angstfrei! 5 Minuten gegen innere Unruhe, Angst und Panik

Ein bisschen reißerisch, ist der Titel dieses Buches schon. Es ist illusorisch, in 5 Minuten seine Ängste loszuwerden. Wer aber dieses Buch, dass viele Handlungsanweisungen beinhaltet, intensiv liest, wird besser mit seinen Ängsten umgehen können. Die Angst, von vielen verteufelt, ist ein lebensnotwendiges Gefühl. Ohne Ängste würden wir ungehemmt in Situationen geraten, die nicht mehr beherrschbar sind. Ängste, die uns zur Vorsicht raten, sind also per se nichts schlechtes. Mit dieser Angst umzugehen, lehrt uns dieses kleine Büchlein. Weiterlesen

Das Ritual des Wassers, Eva Gracía Sáenz

Hier ist er endlich, der zweite Band der Reihe um Inspector Unai Ayala, genannt Kraken. Nach Band I, Die Stille des Todes hat die Autorin mit dem Roman Das Ritual des Wassers ganz gehörig nachgelegt. Es sind wieder fünfhundert Seiten geballte Spannung. Wie auch schon beim ersten Band haben die Fälle immer irgendwie, mit dem Privatleben des Inspectors zu tun. Und das ist nicht weiter erstaunlich, denn die Beschreibungen von Vitoria, die Hauptstadt des Baskenlands hinterlässt bei Leser das Gefühl, als würde jeder, jeden kennen. Man wird Teil der Stadt, der Ermittlungen und Krakens Familie. Die Autorin verzaubert einen regelrecht mit ihrer Geschichte und so kann man den fünfhundert Seiten langen Thriller nicht aus der Hand legen.

Großartige Mischung aus hartem Thrillerstoff, einer innigen Geschichte von Freundschaft und der Erzählung von tragischen und auch wunderbaren Familienbanden.

Diese Reihe darf ihnen als Krimi- und Thrillerfan nicht entgehen.

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Martin Calsow: Kill Katzelmacher u. Interview mit Autor

Dieses Buch könnte als Lehrbuch für den Geschichtsunterricht in Gymnasien herhalten. Die Dichte der Atmosphäre, die erzeugt wird, ist unnachahmlich. Die Melange der Akteure ist unglaublich aber nachvollziehbar wahr. Es mischen in diesem historischen Kriminalroman New Yorker Polizisten, Frontsoldaten als ehemalige Polizisten, Juden, Mitglieder der SS, die Kirche und Schwarzhändler mit. Mit dem New Yorker Polizisten Marcus Feinstein, Jude, der als First Leutnant das Münchner Morddezernat leitet, ist ihm der ehemalige Frontsoldat Steinmüller zur Seite gestellt. Zusammen verfolgen sie das Netz ehemaliger SS Schlächter. Die Rattenlinie, der Exit der Naziverbrecher, beginnt in Bayern und führt bis nach Südamerika. Spannend ist es zu lesen, wer, wie und warum in diesem mörderischen Spiel mitmischt. Dabei haben die US-Amerikaner, die große Furcht vor den Russen haben, kein großes Interesse die erfahrenen „Russlandkenner“ von der SS dingfest zu machen. Die führenden Köpfe werden gehängt die anderen schöpft die OSS später die CIA ab. Einige Szenen des Buches sind schon sehr hart, orientieren sich aber an tatsächlichen Gegebenheiten. Weiterlesen

Barracoon, Zora Neale Hurston

Der Sklavenhandel war ein Millionengeschäft. Afrikaner wurden gegen ihren Willen gefangen, verschifft, versklavt, geschunden und oft zu Tode geprügelt. So manches Mal aus reinem Vergnügen vergewaltigt und geschlagen, denn sie waren weniger Wert als Tiere, die afrikanischen Sklaven. Selbst nachdem 1807 Großbritannien und ein Jahr später die USA den internationalen Menschenhandel mit Afrika abgeschafft hatte, wurden weitere sechzig Jahre etwa 3,9 Millionen Afrikaner verschleppt.

Mit dem letzten amerikanischen Seelenverkäufer der Clotilda kam Oluale Kossola 1860, mit neunzehn Jahren nach Amerika und für fünf Jahre in die Sklaverei. Erst mit sechsundachtzig Jahren erzählt er 1931 der afroamerikanischen Autorin und Anthropologin Zora Neale Hurston sein Leben. Es ist ein ganz erstaunliches historisches Dokument. Denn es fängt nicht nur authentisch sein Leben ein, sondern auch seine Gefühle. Es beleuchtet vor allem, was Afrikaner ihrem eigenen Volk antaten, wenn sie Menschen jagten und an die weißen Händler in die Sklaverei verkauften. Ein bewegendes Buch, das ein zusätzliches, neues Licht auf die Sklaverei wirft, das auch für mich nicht so klar war. Vor allem ist es ein bewegendes Zeugnis eines jungen Mannes, der von seiner Familie brutal getrennt wurde und seine Heimat nie wieder sehen durfte.

So alt und doch so aktuell in unserer Zeit der Zwangsmigrationen. Denn ob man verschleppt wird oder von Bomben davon läuft, ist am Ende völlig egal.

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