Das Online-Magazin aus Eschborn am Taunus
04.05.2012
„Die Tafeln sind ein kritischer Faktor in unserer Gesellschaft, der immer wieder zeigt, wie schlecht es vielen Menschen geht.“ Das sagte Alexander Dietz auf einer Veranstaltung der Schwalbacher Tafel am 2. Mai 2012 im Haus der Kirche in Bad Soden. Der Referent beim Diakonischen Werk reagierte damit auf die in letzter Zeit häufig geäußerte Kritik, die Tafeln würden die Probleme zunehmender Verarmung zudecken und Lösungen für mehr Gerechtigkeit in der Gesellschaft verhindern. Tatsächlich hätten die Tafeln eine gesellschaftliche Diskussion in Gang gebracht, denn durch die Tafelarbeit werde die Armut für viele Menschen erst offensichtlich und bekannt.
„Die Tafeln wollen helfen, haben aber nicht den Anspruch, das Armutsproblem zu lösen“, sagte der Referent. Dr. Alexander Dietz gilt als ausgewiesener Fachmann für das Thema Armut und Reichtum, nachdem er einen „Armutsbericht“ für den als reich geltenden Hochtaunus herausgegeben hatte. Den Kritikern gab er Recht, das die Tafeln die Strukturen nicht überwinden, die zu Armut führen. Auch wenn die Tafeln Lebensmittel weitergeben, so änderten sie nichts daran, dass Lebensmittel im großen Stil weggeworfen würden. Die Tafeln forderte Dietz auf, sich stärker mit politischen und gesellschaftlichen Kräften zu vernetzen und auch sozialpolitisch zu wirken. Die Grüne Bad Sodener Abgeordnete Waltraud Krebsbach-Hess forderte die Anwesenden auf, sich an ihre Bundestagsabgeordneten zu wenden, denn man könne das Problem der zunehmenden Armut nur bundespolitisch lösen.
Dietz kritisierte das Bild, das viele Medien von Hartz-IV-Empfängern als faul vor dem Fernseher sitzend zeichne und diese „Schnee schippen“ lassen möchte. Ein Viertel seien Kinder, ein Zehntel Jugendliche in Ausbildung und 9 Prozent alleinerziehende Mütter. 18 Prozent aller Hilfeempfänger seien alte Menschen, 7 Prozent pflegende Angehörige und 24 Prozent erhalten Zuschüsse weil sie im Niedriglohnsektor arbeiten. Relativ arm sei, wer wesentlich weniger als die Mehrheit der Bevölkerung zum Leben habe und deshalb von Vielem ausgeschlossen sei. Nur ein Zehntel der Armutsbevölkerung seien Tafelkunden.
Als die Schwalbacher Tafel vor gut vier Jahren gegründet wurde, versorgte sie zunächst 50 Familien in Schwalbach, Bad Soden, Sulzbach und Eschborn. Heute kommen 550 Familien zu den Lebensmittelausgaben in der Schwalbacher Spechtstraße. Das Diakonische Werk prüft die Bedürftigkeit und stellt einen Tafelausweis aus. Informationen über die Schwalbacher Tafel zeigt die Internetseite www.tafel-schwalbach.de
Text und Foto: Hans A. Genthe
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