Das Online-Magazin aus Eschborn am Taunus
08.03.2010
Der Antrag des früheren FDP- und neuerdings unabhängigen Stadtverordenten Michael Bauer liest sich bescheiden: Eschborn solle sich um den Titel einer „Fairtrade Town“ bewerben und damit einen Beitrag zu fairem Handel, sozialverträglichen Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung von Frauen und Umweltschutz sowie gegen Kinderarbeit auch in Afrika, Asien und Lateinamerika leisten. Die Mehrheit im Eschborner Stadtparlament aus CDU und FDP sowie dem „Einzelkämpfer“ Jerger lehnte den Antrag aber ab.
Bauer konnte seine Ex-Mitstreiter auch nicht damit überzeugen, dass in Deutschland selbst die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, viele katholische und evangelische Einrichtungen sowie die UNICEF "Fairtrade" unterstützen.
Eigentlich fehlt Eschborn nicht sonderlich viel zu dem Titel "Fairtrade Town": Supermärkte bieten Fairtrade-Produkte bereits an, darunter sogar der Discounter Lidl. Auch kirchliche Institutionen in Eschborn sind Fairtrade sehr verbunden. Was vor allem noch zu leisten gewesen wäre, ist die offizielle Bewerbung um den Titel sowie die Verwendung entsprechender Produkte (neben anderen) in öffentlichen Sitzungen der Stadt und in städtischen Einrichtungen - und damit das Bekenntnis zum Konzept von "Fairtrade".
Den Titel Fairtrade Town hätte Eschborn gemeinsam mit Paris, Dublin, London, San Francisco und anderen Metropolen sowie großen und kleineren Städten und Städtchen auch in Deutschland geführt. Michael Bauer, FDP-Mitglied, langjähriger hauptamtlicher FDP-Stadtrat und FDP-Vorsitzender in Eschborn, biss bei seinen (früheren) Mitstreiterinnen und Mitstreitern dennoch mit seinem Antrag auf Granit. SPD, Grüne und Linke im Stadtparlament unterstützten dagegen Bauers Initiative - aber auch zusammen mit Bauer blieben sie mit 17 Stimmen unter der notwendigen Mehrheit von 19 Stimmen bei insgesamt 37 Stadtverordneten.
Michael Bauer setzte sich in den letzten Jahren zunehmend kritisch mit der Kommunalpolitik in Eschborn auseinander; immer wieder stimmte er in Sachfragen auch gegen seine eigene Fraktion. Prompt wurde er von seiner Fraktion aus den Ausschüssen zurückgezogen und verlor auch den Parteivorsitz in der örtlichen FDP.
Im Dezember letzten Jahres vollzog Bauer während der Haushaltsdebatte in der Stadtverordnetenversammlung den vorerst letzten Schritt zum endgültigen Bruch und erklärte seinen Austritt aus der Eschborner FDP-Fraktion. Hintergrund: FDP-Fraktionsvorsitzender Krüger verhinderte mit seiner „überlangen“ Rede, dass Bauer als Fraktionsmitglied auch noch zu Wort kommen konnte. Mit seinem sofort öffentlich erklärten Austritt aus der Fraktion durfte Bauer als von da an fraktionsloser Stadtverordneter im Stadtparlament noch sagen, was ihm am Herzen lag. (fwh)
Zum Antrag „Fairtrade-Town“ des Stadtverordneten Michael Bauer im Bürgerinformationssystem der Stadt Eschborn
Zum Gastkommentar von Michael Bauer, der zuvor schon im Eschborner Stadtspiegel veröffentlicht wurde
Bild: Links Michael Bauer (Ausschnitt aus einem Wahlkampffoto von 2006); rechts Logo von Fairtrade
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