Das Online-Magazin aus Eschborn am Taunus
17.06.2012
So einfach kann Religion sein – keine Bibel, kein Koran, nur eine selbstverantwortliche Handlungsmaxime.
Das beeindruckte die 34 Christen aus Eschborn und Umgebung kürzlich im Alevitischen Kulturzentrum und Gemeindehaus in Frankfurt.
Vor Jahren wurde dort von Gemeindemitgliedern in Selbsthilfe ein Gewerbegebäude zu einem Kulturzentrum umgebaut. Die Besuchergruppe wurde durch Räumlichkeiten geführt, die nicht nur der
Verwaltung und Versammlung, sondern auch sozialer Arbeit, Kinder-,
Jugendbetreuung, Weiterbildung und Integrationsarbeit dienen.
Bei der anschließenden religiösen Zeremonie (Cem) wurden die Gäste über
die Geschichte der Aleviten (Ali-Anhänger) informiert, deren Ursprung
bis in das 7. Jahrhundert, in die Zeit von Mohammed und seinem
Schwiegersohn Ali reicht.
Im Vordergrund der Lehren stehen Menschlichkeit, Gleichberechtigung,
Toleranz und der Respekt dem Anderen gegenüber. Sie suchen die Spuren
Gottes im Handeln der Menschen im Diesseits. Die Vorstellung von
Paradies oder Hölle ist ihnen fremd. Das Paradies ist hier auf Erden.
Was zählt, ist der Mensch.
Von den ca. 75 Mio. Einwohner der Türkei sind etwa 20 Mio. Aleviten. In
Deutschland leben nach Schätzungen ca. 800 000. Erstmalig in der
Geschichte der Aleviten ist, dass inzwischen in fünf deutschen
Bundesländern alevitischer Religionsunterricht offiziell zugelassen
wurde. Davon ist der Schulunterricht in der Türkei noch weit entfernt.
Viele von den Gästen gestellte Fragen zeugten von regem Interesse.
Der Cem fand seinen Abschluss mit einer gemeinsamen Andacht und einem vom Dede (Vorbeter) gesegneten türkischen Mal. (föak)
Foto: Ingrid Förster. Es entstand im Innenhof des Alevitischen Kulturzentrums in Frankfurt.
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