Alle Artikel von Stephan Schwammel

James Carlos Blake: Red Grass River

Mit diesem Buch machen sie einen Sprung in Amerikas Süden. Da wo des Teufels Garten ist, in die Everglades. Sie hören die Moskitos und das plätschernde Gespräch der Alten vom Liars Club. Die erzählen eine Geschichte. Die Geschichte zweier Familien um die Jahre 1920, eine blutige Geschichte bei der es um Korruption, Liebe und Hass geht. Blake spricht bildgewaltig zu uns, der Leserschaft und wer einmal in den Everglades war kann die Atmosphäre geradezu körperlich spüren. Die Gewalt ist fast auf jeder Seite spürbar und man sieht plötzlich die Bilder alter schwarz weiß Gangsterfilme mit James Cagney (Public Enemy) in denen es zu heftigen Schusswechseln kommt. Beste amerikanische Leseunterhaltung. Weiterlesen

Ildefonso Falcones: Die Erben der Erde

Die Erben der Erde von Ildefonso Falcones

Wer in der Zeit um 1380 in Spanien Erbe ist, kann sich glücklich schätzen. In dem schwergewichtigen Werk, ca.800 Seiten, des Spanischen Autors zeigt es sich wer Mensch oder „Nutztier“ ist. Sklaven, Leibeigene und auch Bürger sind der Kirche und dem Adel schutzlos ausgeliefert. Rechtlosigkeit in all seinen Formen muss ein 12 jähriger und seine Familie erfahren. Die Kirche und ihre Handlanger tobt sich gegen die jüdische Bevölkerung aus. Wer nicht spurt wird verbrannt. All dies bringt der Autor spannend und in einer dichten Atmosphäre der Leserschaft nahe. Weiterlesen

Roberto Saviano: Der Clan der Kinder

Wer hinter die Kulissen des Reiselandes Italien blicken will, muss Roberto Saviano lesen. Sein Blick ist unverstellt und gerade und brutal direkt. Neapel, eine wunderschöne Stadt, brodelt geradezu im Untergrund. Die Quartiere sind unter den Bossen aufgeteilt und die Plätze unter den Anhängern der Bosse vergeben. Da macht sich ein Junge mit 15 daran dieses System mit einer „Paranza“ (eigentlich ein Fischgericht) aus Kindern bestehend aufzumischen. Dieser „Jungenclan“ geht wie seine großen Vorbilder mit Brutalität zur Sache. Saviano legt mit diesem Werk eine Tragödie vor, in der alle Verliere sind; die Bosse, die Kinder und deren Familien. Ein hartes Buch! Weiterlesen

Jan Seghers: Menschenfischer

Mit seinem Kommissar Marthaler hat Jan Seghers einen festen Platz unter den Krimibestenlisten. Er erzählt flüssig und spannend. Diesmal hat er den Aufsehen erregenden Fall des Timo Aus Frankfurt – Höchst zugrunde gelegt. Im Gegensatz zum tatsächlichen Fall löst Marthaler diesen. Zu diesen Fall verzweigen sich aber Handlungen zu anderen Fällen die sich in Frankfurt und Frankreich abspielen und die genau so spektakulär sind. Krimiunterhaltung auf gewohnt hohem Niveau. Weiterlesen

Bill Clinton, James Patterson: The President Is Missing

Wer wissen will, was hinter den Kulissen des Weißen Hauses in Amerika vor sich geht, wenn es zu einem Spannungsfall kommt, dann muss er/sie das vorliegende Buch lesen. Die Supermacht Amerika ist täglich vielen Angriffen ausgesetzt, weil sie in vielen Staaten der Welt intensiv mitmischt. Da ist ständig volle Handlungsfähigkeit gefordert. Das macht das Buch überdeutlich. Deshalb fällt es äußerst schwer dem z. Zt. regierenden Präsident diese ständige abwägende Handlungsfähigkeit zuzubiligen. Eine ständige Bedrohung durch Cyberkriminalität wird scheinbar, deshalb gibt es dieses Buch, besondere Priorität eingeräumt. Weiterlesen

Der Rabbi und das Böse

Die Autorin nimmt uns mit nach Israel, nicht nur an die touristische Oberfläche, nein mitten in die Zerrissenheit einer Nation. Ausgelöst wird die Kriminalgeschichte durch einen Mord an einem Rabbi. Der Ermittler ein ehemaliger Offizier der israelischen Armee gerät in einen Strudel aus Korruption, religiösem Fanatismus und grenzenlosem Hass zwischen Palästinenser und Israelis. Diese spannungsgeladene Geschichte führt deutlich vor Augen was geschieht wenn Hass mit Hass vergolten wird und wer dabei am Meisten profitiert. Ein Buch, dass besser als alle Zeitungsberichte das Innenleben einer Nation widerspiegelt. Weiterlesen

Stefan Maiwald: Der Knochenraub von San Marco

Ein historischer Roman, der diese Bezeichnung mehr als verdient. Wo andere Autoren mit historischen Fakten vor sich „hindümpeln“, schüttet Maiwald hier Fakten und Ereignisse reihenweise aus. Er befasst sich, da er seinen venezianischen Helden quer durch Europa schickt, mit der Religion, dem Essen und der Sozialisation um das Jahr 1570. Der Autor streift diese nicht nur sondern gibt auch das eine oder andere Rezept preis. Die Spannung bleibt, trotz der vielen Fakten, hoch und es macht viel Vergnügen dabei zu sein, um mit der Königinmutter Caterina di Medici zu speisen, und sich deren wahrlich außergewöhnliche Geschichte anzuhören. Weiterlesen

Saskia Wagner (HRSG): Die 68er, Cartoons

Als einer der in dieser Zeit aktiv in der Gewerkschaftsbewegung in Frankfurt aktiv war, sind viele Gegebenheiten, wie in den Cartoons gezeichnet, immer noch präsent. Es war eine Zeit des Umbruchs und der Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen. Wir durften neu denken und mussten uns im Denken nicht beschränken. Wir haben das kapitalistische System hinterfragt und die kommunistischen Systeme genauso unter die Lupe genommen. Da der Vietnamkrieg tobte, haben wir uns mit den Vietnamesen solidarisiert( siehe Titelblatt). Diese 68er sind in den Cartoons besten getroffen. Weiterlesen

Annalee Newitz: Autonom

Wie sieht die Welt in 100 Jahren aus? Wie werden wir leben? Diese Fragen beantworten mehr oder weniger fundiert Sience Fiction Autoren. Eine die nachvollziehbar dazu eine Antwort gibt ist Annalee Newitz. Basieren auf den Diskussionen um Patenrechte auf Lebensmittel, Medikamenten, Gene schafft sie eine kapitalistische Szenerie, die äußerst realistisch ist. Wer Medikamente, leben verlängernde Drogen kaufen kann bleibt gesund. Der Rest muss sich als „KontraktarbeiterIn“ verdingen und wird ausgebeutet um zu überleben. Dabei liefern sich die „Bio Menschen“ mit Robotern die mit künstlicher Intelligenz ausgestattet sind ein Wettrennen. Hierbei stattet die Autorin die Roboter in einer Weise aus die einen Blick in eine uns „Bio Menschen“ unheimliche, weil nicht nachvollziehbare Sphäre, möglich macht. Weiterlesen

Elke Nansen: Tödliche Leyhörn und ein Recherchereisebericht der Autorin

In ihrem 2. Werk der Ostfriesenkrimis legt die Autorin Nansen einen gewaltigen Zahn zu. Immer dann wenn die Ostblockmafia mit im Geschäft ist fliegen die Fetzen. Die Protagonisten Faber u. Waatstedt mitten drin. Auch für den sympathischen Opa Kurth, der sich immer mit guten Ideen einmischt wird es gefährlich. Unbekannte Strippenzieher, deren Gier, die Umwelt in der Nordsee in große Gefahr bringt, gehen scheinbar über Leichen. Die Autorin hat ein schönes Stimmungsbild der Ostseeküste um die Leyhörn gezeichnet. Im Anhang dieser Rezension schildert sie der Leserschaft ihre Eindrücke der Originalschauplätze.  Weiterlesen