Alle Artikel von Stephan Schwammel

Hannah Coler: Cambridge 5 – Zeit der Verräter u. ein Nachwort der Autorin

Der Spionageroman Cambridge 5 von Hannah Coler spielt auf drei Zeitebenen: in den Dreißigerjahren, den Siebzigerjahren und heute. Multiperspektivisch erzählt, geht es um Verrat, Intrige und Politik. Ein großartig recherchierter, intelligenter und auf britische Weise sehr amüsanter Campuskrimi mit milieugerechten Charakteren. Geschickt wie die Autorin die fiktiven Teile des Romans mit den tatsächlichen Geschehnissen verquickt. Eine neue Form des Agentenromans der auch die biographischen Daten der handelnden Personen und deren soziologischen Hintergründe ausleuchtet. Weiterlesen

Giancarlo De Cataldo: Der Vater und der Fremde

Ein einfühlsamer Roman der anders ist als das was man von DeCataldo erwartet. Er bschäftigt sich mit einer Männerfreundschaft von ganz unterschiedlichen Typen Mann. Der Eine Büromensch, der Andere, Macher, undurchsichtig scheinbar vermögend und geschmeidig. Beide vereint die Liebe zu ihren schwerstbehinderten Söhnen. Sie warten vor der Physiotherapie um die Söhne abzuholen. Dabei kommen sie sich näher und der Büromensch taucht in die undurchsichtigen sozialen Beziehungen des orientalischen Geschäftsmannes ein. Weiterlesen

Elke Nansen: Tödliche Krummhörn. Ostfrieslandkrimi; Interview mit der Autorin

Das vorliegende Werk ist ein typischer Regionalkrimi der ganz viel Lust auf Me(h)er macht. Er hat im besten Sinne alles was wir, die Leserschaft, gerne liest. Die Spannung, es ist schließlich ein Krimi, sympathische Menschen und natürlich einen oder mehrere Menschen die anderen nach dem Leben trachten. Die Autorin bringt das alles bestens unter. Sie stellt uns die Landschaft Ostfrieslands so vor, dass man gleich die Koffer packen will. Sie arbeitet Land und Leute mit ihren typischen Eigenschaften deutlich heraus. Ein Krimi, bei dem ein leichtes Gänsehautfeeling aufkommt und wir uns wohlig in unserer Leseecke räkeln.

 

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Beate Sauer: Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée

Es ist schwer vorstellbar was unsere Mütter und Väter erlebt haben müssen in der Zeit nach dem Krieg. Ein weiser Mann hat mal gesagt: „Der Krieg hat einen langen Atem“. Dieser Atem war 1947 wohl ausgesprochen eisig. Es gab fast nichts und ein erwachsener Mensch musste mit 800 Kalorien am Tag auskommen. Das alles fast die Autorin in einen spannenden sprachlichen Rahmen. Sie spart nicht die Frage nach der Schuld und die Schrecken der Besatzungen durch die Alleierten aus. Eine weibliche Polizistin ist in dieser Zeit sehr ungewöhnlich und der Beginn einer Kriminalreihe mit Friederike Matthée, einer Heimatvertriebenen, die es nach Köln verschlagen hat. Weiterlesen

Michael Connelly: Ehrensache

Ein Detektivroman reinsten Wassers. Wenn ein Polizist in Rente geht und er sich durch seinen Beruf definiert hat, fällt das Nichtstun schwer. Wenn dann auch noch die Beziehung auf Eis gelegt wird, dann muss der Vergaser der Panhead Harley Davidson von 1955 herhalten. Aber da ist eine Mordermittlung an der Seite eines Verteidigers schon ein verlockendes Angebot auch wenn die Ex Kollegen das garnicht gerne sehen. Spannend und auch ein wenig Systemkritisch was den American Way of Life angeht.

 

 

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Xiaolong Qiu: Schakale in Shanghai, Oberinspektor Chens achter Fall

Die Redaktion hat lange gewartet, endlich ist der neue Fall von Oberinspektor Chen erhältlich. Immer wenn dieser ermittelt geht es den regierenden korrupten Kadern der Chinesischen Führung ans Eingemachte. Die Werke des Exilchinesen Qiu Xiaolong sind deshalb so interessant, weil sie neben der Spannung einen gesellschaftlichen Hintergrund abbilden den man weder im Fernsehen sehen oder in den Zeitungen lesen kann. Korruption und Bereicherung der führenden Kader, die auch vor Mord nicht zurückschreckt. Immobilien Spekulation die öffentliches Gelände gierig vermarktet. Prostitution und Vetternwirtschaft. All das bringt der Autor stimmig und authentisch dem Lesepublikum nahe. Unbedingt lesenswert. Weiterlesen

Andy Weir: Artemis

Nach dem grandiosen Roman „Der Marsianer“ zeigt uns Weir wie man auf dem Mond lebt. Dabei packt er das heutige Wissen in eine spannende Handlung und lässt eine große Mondbasis entstehen. Auf die Frange (siehe Interview), ob er denn auf dem Mond wohnen wollte, sagt er nein. Also ich könnte mir das gu vorstellen. 1/6 weniger Schwerkraft. Alles ging leichter. Damit ght auch Weir´s Protagonistin, Jazz, um und dreht die tollsten Dinger. Das Buch ist nicht nur für technik Begeisterte von Interesse. Nein wenn man sich den Mond anschaut und sich die Geschichte aus Weir´s Buch dazu denkt, hat dass seinen besonderen Reiz. Weiterlesen

Andy Weir: Artemis; Interview mit dem Autoren

Andy Weir
Foto Aubrie Pick

Man kann seine Karriere eigentlich nur als kometenhaften Aufstieg bezeichnen. Im Jahr 2009 stellte Andy Weir die ersten Kapitel seines Debütromans Der Marsianer online, der Roman wurde ein Überraschungserfolg, kurz darauf sicherte sich ein Verlag die Rechte und Der Marsianer stand monatelang auf den internationalen Bestsellerlisten. Spätestens seit der spektakulären Verfilmung des Stoffes durch Ridley Scott gehört Andy Weir zu den ganz Großen im Literaturgeschäft. Mit Artemis hat er nun seinen zweiten Roman veröffentlicht und sich trotzdem die Zeit genommen, ein paar Fragen zu beantworten.

Mr. Weir, Ihr erster Roman spielte auf dem Mars und löste einen regelrechten Hype um
den roten Planeten aus. Was hat Sie dazu bewogen, Ihren zweiten Roman Artemis auf
dem Mond anzusiedeln?

Ich wollte eine Geschichte über die erste menschliche Stadt schreiben, die sich nicht auf der
Erde befindet, und ich denke der Mond ist der realistischste Ort dafür. Er ist schließlich der
Himmelskörper, der der Erde am nächsten ist, und vor allem – und das spielte eine unheimlich
wichtige Rolle bei meinen Überlegungen –, ist er nahe genug, dass zwischen Erde und Mond
ein florierender Handel und auch Tourismus möglich wäre.

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Jo Nesbø: Durst (Ein Harry-Hole-Krimi 11)

Das Buch ist nichts für zarte Seelen. Der Autor Jo Nesbø verlangt starke Nerven. Der Gegenpart zu Harry Hole, dem harten Kerl mit weichem Kern, ist Vampirist. Einer der es liebt Blut zu trinken. Meist von jungen Frauen. Das ist normalerweise nicht das Genre zu dem ich greife. Aber Jo Nesbø wäre nicht Jo Nesbø wenn er diesen rauen Plot nicht mit sehr viel psychologischen und anderen Fakten anreichern würde, dass der Thriller immer spannend und lesbar bleibt. Interessant ist auch der norwegische Umgang mit Sex.

 

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