Alle Artikel von Stephan Schwammel

Ulrike Ladnar: Frankfurter Szenen

Frankfurter SzenenWährend des Ersten Weltkriegs machte die Frankfurter Theaterszene besonders durch die Inszenierung expressionistischer Werke auf sich aufmerksam. Im Fokus standen um 1917 vor allem Anti-Kriegs-Dramen, die unter anderem auch die Kriegsmüdigkeit und die gesellschaftlichen Einschränkungen widerspiegelten. In diese Zeit siedelt die Autorin Ulrike Ladnar ihren neuen historischen Roman »Frankfurter Szenen« an. Dabei bring sie eine Menge Fakten hervor, die selbst alten Frankfurtern nicht sehr geläufig sind. Eine echte Zeitreise bei der man hautnah spürt, wie die Atmosphäre im Kriegsgebeutelten Frankfurt war. Die Endzeitstimmung des Krieges mit seine Gefallenen, psychisch wie physisch gebrochen Menschen wird sehr deutlich.

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Nikolaus Wachsmann: KL Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager

KL Die GeschichteEin Standartwerk zu diesem Thema meint Sir Richard Evans. Dem kann sich die Redaktion nur anschließen. Wenn es um Ordnung geht scheinen wir Deutschen führend zu sein. Auch in diesem zutiefst unmoralischen Zustand der Kasernierung von Menschen um diese durch Ausbeutung zu vernichten, haben Bürokraten ein System entwickelt dass unglaublich erscheint. Es ist ein monumentales Werk, dass als Literaturhinweis über 260 Seiten im Anhang aufführt. Wachsmann hat die monumentale Geschichte der Konzentrationslager von 1933 bis zu deren Auflösung 1945 recherschiert. Täter und Opfer werden von der jeweiligen Perspektive geschildert. Ein Werk das erschüttert und warnt.

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Matthew Quirk: Die Direktive

Bl_TB_Quirk_Die Direktive.inddEin echter Handwerker dieser Mike Ford, der Protagonist des Autors Matthew Quirk. Einer der aus einer Gangster Dynastie stammt und nun bürgerlich geworden, aus diesem Milieu herausgerissen wird. Gott sei Dank hat er die früher erlernten Fähigkeiten nicht verlernt und kann das alte Netzwerk seines Vaters nutzen. Krimiunterhaltung mit einem echten Helden der mit allen Wassern gewaschen ist.

 

 

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Alex Beer: Der Zweite Reiter, Ein Fall für August Emmerich

Der 2. ReiterDie Autorin hat Ihrem Buch einen Satz von Martin Kessel vorangestellt: „Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.“ Diese Opfer sind ausgemergelte sprichwörtlich am Hungertuch nagende Menschen. In Mietskasernen hausende, sich zu 30st eine Toilette teilende Menschen, schildert das sehr bemerkenswerte Buch. Dazwischen ein Polizeiagent der auch verletzt dem Krieg entronnen, sich mit der Wiener Unterwelt auseinandersetzen muss. Die Autorin hat sich an den real existierenden Schauplätzen und historischen Gegebenheiten orientiert. Der Roman ist in einer Reihe der Sozialromane wie früher Dostojewski und andere russische Erzähler, zu sehen.

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Björn Larsson: Long John Silver

Long John SilverWer Seefahrergeschichten liebt, wird dieses Buch sehr mögen. Es schildet das Leben auf See und die Lebenssituationen den Seeleute. Die Teerjacken hatten nicht viel zu lachen. Skrupellose Kapitäne, Schiffseigner beuteten die Matrosen bis aufs Blut aus. Mit Sklavenschiffen häuften sie ungeheure Vermögen an. Das da die Hälfte der Sklaven und ein Drittel der Besatzung bei der Überfahrt über Bord, oder wie es im Buch heißt: die Segel strichen, wurde in Kauf genommen. Meuterei war da ein probates Mittel aus diesem Kreislauf auszusteigen. All dies alles schildert Larson sehr deutlich am „Lebenslauf“ von Long John Silver.

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Rebecca Gablé: Die fremde Königin, Historischer Roman

Die fremde KöniginWieder einmal versteht es die Autorin das Mittelalter lebendig werden zu lassen. Spannend wird die Leserschaft an die Königspfalzen von Otto I versetzt und sieht zu wie Intrigen gesponnen, Eide gebrochen und zarte Bande geflochten werden. Otto I hatte viele Geschwister und Halbgeschwister sowie viele unehelich gezeugte Kinder der Königsfamilie, sogenannte Bastarde. Einer davon ist er Protagonist Gaidemar, der viele Abenteuer und Schlachten erleben muss. Der Roman zeigt aber auch auf, dass es schon im Mittelalter so etwas wie ein Europa der Vielfalt gab.

 

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Wolfgang Kleinert (Hrsg.), Dieter Schwalm (Hrsg.), Diverse: Unheilige Bilder

unheilige Bilder1517 hat Martin Luther seine 95 Thesen an die Kirchentür in Witteberg genagelt. Die 500 Jahre Reformation in Deutschland werden nicht nur mit einem extra Feiertag begangen, das Reformationsjahr wird mit Ausstellungen und einer Vielzahl von Buchveröffentlichungen zum Thema begleitet. Dieses hier ist das lustigste Buch zum Thema: Unheilige Bilder – Cartoons zu Kirche und Religion. Manchen Menschen mag bei diesen Bildern ja die Spucke wegbleiben, aber lustig ist das schon.

Lappan Verlag, 168 Seiten: ISBN 978-3-830-33463-7,€ 9,99

James Lee Burke: Fremdes Land

Fremdes Land von James Lee Burke

Fremdes Land von James Lee Burke

Amerikanischer kann ein Roman nicht sein. Ebenso wie amerikanische Filmepen unverwechselbar sind, so schreibt der Autor Burke seine Geschichten, meist aus dem Westen der USA, Texas, New Orleans. Die Eigenarten der Menschen fest im Blick, die meist kindliche Gläubigkeit an das eigene Fortkommen aus eigener Kraft, werden hier in Literatur gegossen. Meist ist da der strahlende Held der seinen Weg geht und der das Böse besiegt.  Mit der Figur aus seinen Dave Robicheaux Krimis (Verlag Pendragon) bedient er genau dieses Genre, Held rau und herzlich der es aber auch mal mit dem Gesetz nicht so genau nimmt.

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Britta Bolt: Der Tote im fremden Mantel

Der Tote im fremdenBei den Kriminalromanen des Autorenduos steht immer die Stadt Amsterdam mit ihren Menschen, den Grachten und ihren Eigenheiten gleichwertig zur Handlung. Diesmal ist es das Thema Fracking das eine Ökokonferenz in Amsterdam bewegt. Dabei kommen einige Personen die dieses Thema auch auf finanzieller Ebene umtreibt zu Schaden. Immer mitten im Geschehen der städtische Angestellte Pieter Posthumus. Immer fein angezogen und immer den Genüssen des Lebens aufgeschlossen hilft er die Täter zu finden.

 

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Franz Dobler: Ein Schlag ins Gesicht

1242_01_SU_Dobler.inddEigentlich müsste man für die Kriminalromane des Franz Dobler eine eigene Kategorie erfinden. Mit dem Buch „Ein Bulle im Zug“ lässt er den psychisch angeschlagenen Kommissar kreuz und quer durch Deutschland fahren. Dabei fabuliert der Autor über Gott und die Welt. Auf jeder Seite bringt er neue überraschende Erkenntnisse und nähert sich nur allmählich der Aufklärung des Falles.

Schlag ins GesichtMit dem Werk „Schlag ins Gesicht“ nähert er sich zügiger der Aufklärung des Falles der ihn zu dem ehemaligen Filmsternchen Simone Thomas bring. Dobler beleuchtet aber die siebziger und die Lebensweisen der damaligen Jugend. Einige werden sich noch daran erinnern wie es war mit Beatmusik, langen Haaren und der freien Liebe, ohne Aids. Spannende Kriminalliteratur auf sehr hohem Niveau. Man muss sich schon Zeit nehmen um einem Franz Dobler Krimi zu folgen.

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