Alle Artikel von Stephan Schwammel

JEAN-FRANÇOIS PAROT: Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale

Ein historischer Kriminalroman aus der Zeit des Ludwig XV. Parot versteht es die Lebenssituation der kleinen Leute und des Adels sehr realitätsnah darzustellen. Man ist mitten drin bei den Feierlichkeiten anlässlich des Thronfolgers mit Marie-Antoinette und wir mit den Massen durchgerüttelt. Diesmal hat es Le Floch mit Kurie und den Behörden der Stadt Paris zu tun. Korruption und Vetternwirtschaft gemischt mit sexueller Abhängigkeit werfen ein Sittenbild auf diese Zeit. Großartige Beschreibung von Exorzismus und Gläubigkeit. Weiterlesen

Meg Wolitzer: „Das weibliche Prinzip“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte; Kunsthistorikerin.

In ihrem neuen Roman breitet Meg Wolitzer einen Überblick über die Geschichte des (amerikanischen) Feminismus anhand von differenziert gestalteten Charakteren aus. Das gut lesbare Buch bietet einen Überblick über den Feminismus, seinen Kampf für die Rechte der Frauen, seine Ideale, wobei es bei aller Ernsthaftigkeit auch manchmal originell auftritt (wie die Erwähnung von Faith Franks Buch von 1984 „Das weibliche Prinzip“), phasenweise aber auch langatmig wirkt. Zum Schluss soll Greers Wunschadresse an Faith zitiert werden:
„Du hast im College für eine Offenbarung gesorgt. Danach habe ich jahrelang beobachtet, wie du alles, was du aufzubieten hattest – deine Kraft, deine Ansichten, deine Großzügigkeit, deinen Einfluss und natürlich deine Wut über Ungerechtigkeiten, alles zusammen – , anderen Frauen geschenkt hast, was oft passiert ist: die lange und großartige Geschichte von Frauen, die alles an andere weiter geben. Vielleicht ist das ein Reflex, manchmal auch eine Pflicht; aber wir tun es stets in dem Gefühl, dass es notwendig sei.“ Weiterlesen

Melanie Mühl, Diana von Kopp: Die Kunst des klugen Essens, 42 verblüffende Ernährungswahrheiten

Mir wurde das Buch überreicht mit der Bitte, eine Rezension darüber zu machen. Mei-ne Reaktion im ersten Moment, „Ach schon wieder ein Diätberater, der dann doch nicht klappt“. Aber wieso schreibt Brigitte dazu „Eine extrem erfrischende Lektüre die zum Nachdenken anregt“. Im Nachhinein schreibe ich dazu, „Nicht nur zum Nachdenken, sondern Aufklärend!“ Es ist gar keine Lektüre über eine Diät, wie ernähre ich mich gesund oder was ist das bessere Essen. Eher wie Markus Lanz schreibt: „Einfach ein großer Spaß zu lesen“. Weiterlesen

Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb

Ein Agentenroman der sich von vielen dadurch abgrenzt, dass er keine Superhelden hat. Die Protagonisten und Innen sind Agenten deren beste Zeiten hinter ihnen liegen und die in eine Art Endlager für MI5 Angehörige abgeschoben wurden. Wenn eine Truppe schon „Lahme Gäule“ heißt, ist scheinbar nicht viel zu erwarten. Dass sich deren Stern aber zu neuer Leuchtkraft aufschwingt, ist den Loosern des „Parks“ zu verdanken die eine Mission total versemmeln. Der Autor Mick Herron hat aber eine außerordentlich Erzählkraft die er in der Ausgestaltung seiner handelnden Personen auslebt.

 

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Nele Neuhaus: Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)

Nele Neuhaus Muttertag

Endlich wieder einmal ein Neuhauskrimi der bis zur letzten Seite fesselt. Wenn auch ein bis zwei Szenen darin sind die sehr ekelig sind, ist doch der Spannungsbogen bis zum Schluss gehalten. Der Roman beschäftigt sich mit psychologischen Themen, Erziehungsmethoden in Kinderheimen, kindliche Persönlichkeitsentwicklungen und um Schuld. Wer hat Schuld und versagt wenn Kinder geboren werden die scheinbar niemand will? Wie werden aus Kindern Psychopaten? Wie sind die Reaktionen von Psychopaten. All das bringt die Autorin schlüssig auf die 560 Seiten. Der Schluss erinnert etwas an den Film „Stirb langsam 2“ und bringt viel Action ins Geschehen. Weiterlesen

Dennis Lehane: Der Abgrund in dir

In seinem 13. Roman erfindet sich der Erfolgsautor Dennis Lehane vollkommen neu. Zum ersten Mal schreibt er aus der Perspektive einer Frau; es entstand ein psychologischer Spannungsroman, ein actionreicher Thriller und eine berührende Liebesgeschichte. Der Leser findet sich wieder in einem Spiegelkabinett, das in seiner psychologischen Raffinesse an den Weltbestseller ›Shutter Island‹ erinnert. Abgründe überall; eine Mutter Tochter Beziehung, eine Partnerbeziehung mit Berufsabhängikeit und dann eine Beziehung die erfolgreich zu sein scheint, die aber wie alle Beziehungen von Rachel absolut abgründig ist. Weiterlesen

Wolfgang Kleinert (Hrsg.), Dieter Schwalm (Hrsg.), Antje Haubner (Hrsg.):Beste Bilder 9

Jetzt ist die Zeit der Jahresrückblicke. Da hilft das jährlich erscheinende Buch vom Lappan Verlag sich zu erinnern. Mit spitzem Stift zeigen uns die Cartoonisten u. Innen die Welt wie sie ist. Manches Mal vergeht einem das Lachen aber immer ist der Cartoon treffsicher. Diese Serie „Beste Bilder“ ist es Wert sie zu sammeln denn wenn man die vorherigen Bände mal anschaut kommen die Erinnerungen an Ereignisse wieder hoch die man vergessen hat.Die Welt ist im Umbruch, Supermächte agieren auf Sandkastenniveau – wer könnte diesen Irrsinn besser erklären und erträglich machen, als ein komischer Jahresrückblick? Weiterlesen

Anne Holt: In Staub und Asche

Inger Vik und Hanne Wilhelmsen sind die beiden Detektive die einen Mord und einen Selbstmord aufklären wollen. Nicht sollen. Denn eigentlich sind diese Fälle schon aufgeklärt. Die zwei Kriminalisten glauben aber nicht an die Ermittlungsergebnisse. Es ist immer wieder erfreulich wie die beiden sehr unterschiedlichen Charaktere sich die Bälle zuspielen oder aber in herzlicher Abscheu auseinander gehen. Holt lässt uns dabei in die Gefühlswelt der Protagonisten hineinsehen.

 

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Martin Baltscheit: Der Kleine Prinz feiert Weihnachten

Wer kennt ihn nicht den Kleinen Prinzen, das Buch und die Geschichte des französischen Piloten und Autoren Antoine de Saint-Exupéry. Der Autor Martin Baltscheit hat das Experiment gewagt, eines der berühmtesten Bücher der Welt und mit über 140 Millionen verkauften Exemplaren, und die Geschichte des Kleinen Prinzen weiter erzählt. Dabei hat er den Schauplatz auf dem der Kleine Prinz agiert in die heutige Zeit auf unseren Planeten und zur Weihnachtszeit gelegt. Der Autor versteht es die Verbindung zwischen den esoterischen Ansätzen und den heutigen Realismen, Umweltverschmutzung, Geiz und Religion zu verbinden.
Das Buch konnte aber nur deshalb gelingen, weil es eben keine richtige Fortsetzung ist und vor allem keine Imitation. Der Prinz wird also kein zweites Mal ausgequetscht, um die Welt mit neuen rührseligen Geschichten anzureichern

Martin Baltscheit: Der Kleine Prinz feiert Weihnachten, Karl Rauch Verlag, Illustrationen von Martin Baltscheit, 96 Seiten, gebunden, 17 x 24 cm, € 15,00

Petra Morsbach: Gottesdiener

Gottesdiener von Petra Morsbach

Wer die Bücher von Fr. Morsbach kennt, weiß, dass sie sich mit Akribie dem Thema des Buches widmet. Im vorliegenden Werk ist es die katholische Kirche und deren Personal. Sie nimmt stellvertretend für die Priesterschaft den Niederbayrischen Bauernbuben Isidor Rattenhuber. Dessen Lebenslauf, ist typisch für Priester. Schlaue Buben aus armen Familien machen Karriere bei der kath. Kirche. Vom Priesterseminar über die Primiz (erste eigene Messe) bis hin zur philosophischen Auseinandersetzung über den Glauben können wir die Sorgen des Pfarrers und seiner Gemeinde verfolgen. Wer glaubt das gehe ihn nichts an der irrt. Alle Priester, Bischöfe u. Kardinäle werden aus dem allgemeinen Steuertopf, nicht dem der Kirchensteuer, bezahlt. Dazu bekommt die deutsche kath. Kirche noch 200 Millionen als Entschädigung, jährlich. Man spricht über den Besitz des Bischöflichen Stuhls von Limburg der bei über 1 Milliarde liegen soll. Weiterlesen