Alle Artikel von Stephan Schwammel

Dov Alfon: UNIT 8200

Immer wenn Insider aus ihren Arbeitsgebieten berichten schaut man ihnen quasi über die Schultern. Wenn es sich dabei um einen Geheimdienstoffizier einer Sonderheit des israelischen Geheimdienstes handelt, verspricht man sich besondere Erkenntnisse. Diese liefert das Werk insbesondere dann wenn man die Strukturen, die Korruption und die technische Ausstattung des Geheimdienstes erkennt. Wer die innenpolitische Situation Israels z. Zt. im Fernsehen sieht kann eines aus dem Buch nachvollziehen. Spannendes Werk.

 

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Stiftung Warentest: Wegweiser durch die Vorsorge-Dokumente

Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung: Alle wichtigen Formulare erklärt. Was welche Verfügung leistet und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. Die Finanztest-Experten beantworten alle Fragen bis hin zum Testament. Dieses Heft ist so wichtig wie eine Haftpflichtversicherung. Wer einmal in der Notaufnahme lag und keine Patientenverfügung hatte, der hat alle Verantwortung auf Angehörige geschoben. Selbstbestimmt durchs Leben gehen, ist für gesunde Menschen etwas Selbstverständliches. Unfall, Krankheit oder Alter können die Fähigkeit, frei über sich zu bestimmen, einschränken – oder sogar unmöglich machen. Wer frühzeitig festlegt, was er im Falle eines Falles zulässt oder ablehnt, rettet seinen Willen und seine Wünsche in die Zukunft. Aber wie macht man das? Was leistet die Verfügung? Und wo liegen Fallstricke? Der Wegweiser erklärt es. Weiterlesen

Bill Beverly: Dodgers

Ein echter Road Trip 3000 km durch ein Amerika, dass niemand so wahr haben will. Eine verwahrloste Gesellschaft. Da werden 4 junge Menschen, der jüngste 13 Jahre alt mit einem Mordauftrag los geschickt. Junge Menschen deren Lebensinhalt darin bestand Drogenhäuser zu bewachen. Der Autor bedient sich einer Sprache die kurz und knapp ist und keinen Raum für Schonung des Lesers lässt. Wer also auf diesem mörderischen Trip mitfährt, Nerven behalten.

 

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Jeong Yu-jeong: Der gute Sohn

Eine verwirrende Geschichte. Ein Mann wacht auf und stellt fest, dass er seine Mutter getötet hat. Oder doch nicht. Eine Reise ins Innere eines Menschen beginnt. Was ist war, was nicht? Wir lernen dabei ein bisschen was es heißt Koreaner zu sein. Welchen Einfluss kann eine Mutter, oder die Tante auf einen jungen Menschen nehmen. Zwölf ausgewählte Bücher gehen in diesem Jahr bei Books at Berlinale ins Rennen um die Aufmerksamkeit der geladenen Filmproduzent*innen. „The Good Son” (You-jeong Jeong, Republik), The Artists Partnership, Großbritannien ist eines davon.
Jeong Yu-jeong (geb. 1966) wird »Koreas Stephen King« genannt. Ihre psychologisch ausgefeilten Kriminalromane stehen regelmäßig an der Spitze der Bestsellerliste. Sie arbeitete als Krankenschwester und als Sachverständige der staatlichen Gesundheitsversicherung, bevor sie zu schreiben begann. Als Autorin trat sie an die Öffentlichkeit mit ihrem ersten Roman My Life’s Spring Camp. Für ihre Werke erhielt sie 2007 den Segye Youth Literary Award und 2009 den renommierten Segye Ilbo Literary Award. Weiterlesen

Brigitte Glaser: Rheinblick

Eine Zeitreise in die 70er Jahre unserer Republik. Wer wie ich in dieser Zeit am politischen und gesellschaftlichen Leben teilhaben konnte, dem werden die Bilder wieder, angeregt durch das vorliegende Buch, durch den Kopf geistern. Willy wählen, was dann auch bei 91% Wahlbeteiligung, 45,8% der WählerInnen taten. Aufbruchsstimmung herrschte, der Mief der Nachkriegszeit, diese unsäglich Nazierziehung die immer noch in den Köpfen fest verankert war, galt es zu reformieren. Musik war ein solches Mittel gegen die „Alten“ zu rebellieren. Das Buch vereint diese ganzen Strömungen und bildet mit der Erkrankung von Willy Brandt (Stimmbandprobleme) eine spannende Politszenerie im November 1972. Gewüzt wird das Ganze zur einen Mordfall an einem jungen Mädchen, das auch einen Hinweis auf die damalige Heimerziehung gibt. Weiterlesen

JEAN-FRANÇOIS PAROT: Commissaire Le Floch und das Phantom der Rue Royale

Ein historischer Kriminalroman aus der Zeit des Ludwig XV. Parot versteht es die Lebenssituation der kleinen Leute und des Adels sehr realitätsnah darzustellen. Man ist mitten drin bei den Feierlichkeiten anlässlich des Thronfolgers mit Marie-Antoinette und wir mit den Massen durchgerüttelt. Diesmal hat es Le Floch mit Kurie und den Behörden der Stadt Paris zu tun. Korruption und Vetternwirtschaft gemischt mit sexueller Abhängigkeit werfen ein Sittenbild auf diese Zeit. Großartige Beschreibung von Exorzismus und Gläubigkeit. Weiterlesen

Meg Wolitzer: „Das weibliche Prinzip“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte; Kunsthistorikerin.

In ihrem neuen Roman breitet Meg Wolitzer einen Überblick über die Geschichte des (amerikanischen) Feminismus anhand von differenziert gestalteten Charakteren aus. Das gut lesbare Buch bietet einen Überblick über den Feminismus, seinen Kampf für die Rechte der Frauen, seine Ideale, wobei es bei aller Ernsthaftigkeit auch manchmal originell auftritt (wie die Erwähnung von Faith Franks Buch von 1984 „Das weibliche Prinzip“), phasenweise aber auch langatmig wirkt. Zum Schluss soll Greers Wunschadresse an Faith zitiert werden:
„Du hast im College für eine Offenbarung gesorgt. Danach habe ich jahrelang beobachtet, wie du alles, was du aufzubieten hattest – deine Kraft, deine Ansichten, deine Großzügigkeit, deinen Einfluss und natürlich deine Wut über Ungerechtigkeiten, alles zusammen – , anderen Frauen geschenkt hast, was oft passiert ist: die lange und großartige Geschichte von Frauen, die alles an andere weiter geben. Vielleicht ist das ein Reflex, manchmal auch eine Pflicht; aber wir tun es stets in dem Gefühl, dass es notwendig sei.“ Weiterlesen

Melanie Mühl, Diana von Kopp: Die Kunst des klugen Essens, 42 verblüffende Ernährungswahrheiten

Mir wurde das Buch überreicht mit der Bitte, eine Rezension darüber zu machen. Mei-ne Reaktion im ersten Moment, „Ach schon wieder ein Diätberater, der dann doch nicht klappt“. Aber wieso schreibt Brigitte dazu „Eine extrem erfrischende Lektüre die zum Nachdenken anregt“. Im Nachhinein schreibe ich dazu, „Nicht nur zum Nachdenken, sondern Aufklärend!“ Es ist gar keine Lektüre über eine Diät, wie ernähre ich mich gesund oder was ist das bessere Essen. Eher wie Markus Lanz schreibt: „Einfach ein großer Spaß zu lesen“. Weiterlesen

Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb

Ein Agentenroman der sich von vielen dadurch abgrenzt, dass er keine Superhelden hat. Die Protagonisten und Innen sind Agenten deren beste Zeiten hinter ihnen liegen und die in eine Art Endlager für MI5 Angehörige abgeschoben wurden. Wenn eine Truppe schon „Lahme Gäule“ heißt, ist scheinbar nicht viel zu erwarten. Dass sich deren Stern aber zu neuer Leuchtkraft aufschwingt, ist den Loosern des „Parks“ zu verdanken die eine Mission total versemmeln. Der Autor Mick Herron hat aber eine außerordentlich Erzählkraft die er in der Ausgestaltung seiner handelnden Personen auslebt.

 

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Nele Neuhaus: Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)

Nele Neuhaus Muttertag

Endlich wieder einmal ein Neuhauskrimi der bis zur letzten Seite fesselt. Wenn auch ein bis zwei Szenen darin sind die sehr ekelig sind, ist doch der Spannungsbogen bis zum Schluss gehalten. Der Roman beschäftigt sich mit psychologischen Themen, Erziehungsmethoden in Kinderheimen, kindliche Persönlichkeitsentwicklungen und um Schuld. Wer hat Schuld und versagt wenn Kinder geboren werden die scheinbar niemand will? Wie werden aus Kindern Psychopaten? Wie sind die Reaktionen von Psychopaten. All das bringt die Autorin schlüssig auf die 560 Seiten. Der Schluss erinnert etwas an den Film „Stirb langsam 2“ und bringt viel Action ins Geschehen. Weiterlesen