Alle Artikel von Stephan Schwammel

Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit

Eine echte Perle der Kriminalliteratur. Einzigartig wie der Autor es versteht mit den Begriffen der Zeit zu spielen. Da ist der Protagonist, Mario Conde, der mit seinem 60 Geburtstag hadert und die Zeit gerne zurückdrehen möchte. Die Suche des Detektivs nach der Schwarzen Madonna unterbricht der Autor mit einem Zeitsprung ins Zeitalter der Kreuzritter und deren Niedergang. Auch beobachtet Padura sehr genau und kritisch die letzten Jahrzehnte der Insel Cuba und ihrer Bewohner. Er beschreibt Slumviertel die es früher nie gab. Ein außergewöhnlicher Kriminalroman und Pflichtlektüre für jeden Kubareisenden.. Weiterlesen

Rocko Schamoni: Große Freiheit

Der Autor Rocko Schamoni erzählt romanhaft die Lebensgeschichte einer Kiezgröße aus St. Pauli. Da er diese Szene intensiv kennt und auch mit Wolli Köhler, dem Protagonisten des Buches, bekannt ist, schenkt er uns einen tiefen Blick in den Kiez der 60er Jahre. Es geht aber nicht nur um Prostitution sondern auch um die Künstlerszene der damaligen Zeit. Starclub und die Musiker die dort aufgetreten sind wie die Beatles, Little Richard und viele andere sind den Älteren ein fester Begriff. St. Liederlich der Inbegriff der antibürgerlichen Gesellschaft. Weiterlesen

Daniel Siemens: Sturmabteilung, Die Geschichte der SA

Ein beeindruckendes Werk. Der Autor beschreibt in aller Deutlichkeit wie sich eine Nationalsozialistische Bewegung in der NSDAP von zunächst 60.000 Menschen zu einer Massenbewegung von über 3 Millionen Menschen entwickelt. Dabei beschreibt er die Entwicklung von 1927 über den Röhmputsch hinaus. Wie er auch in einem Vortag am Fritz Bauer Institut in Frankfurt deutlich mache, waren nicht nur gescheiterte Existenzen in dieser Bewegung vertreten, auch besonders evangelische Theologen waren für diese Ideologie sehr empfänglich. Weiterlesen

Heinrich Steinfest: Der schlaflose Cheng

Steinfest ist der Literarische Georg Kreisler. A bisserl schräg, gewitzt und ein ausufernder Erzähler. Er vermag eine spannende Kriminalstory mit Sience Fiktion, Länderbeschreibungen und Kulturgeschichte so zu vermischen, dass ein rundum gelungenes Buch herauskommt. Mit seinem einarmigen Detektiv, dessen fiktionalen Hund, schickt er uns in den entlegensten Winkel Islands. Auf dieser Reise treffen wir, die Leserschaft, die skurrilsten Menschen. Den isländischen Polizisten der ein Schweitzer ist, eine Sekretärin die eigentlich Detektivin sein sollte. Ein Buch wie ein Füllhorn mit ausgefallensten Einfällen. Weiterlesen

Gary Victor: Im Namen des Katers

Neuer Fall für den Dirty Harry von Port-au-Prince. Der Autor entführt uns in die Unterwelt von Haiti. Diese Land das absolut in kein Schema passt, das scheinbar nur aus Korruption, Misswirtschaft und Verbrechen besteht, hat einen aufrechten Polizisten. Na ja, aufrecht im Sinne einer rechtstaatlichen Sicht ist das natürlich nicht. Da räumt Inspector Azémar schon mal mit seinem Dienstrevolver Bösewichte von der Bildfläche. Gary Victor ist zu sehr Journalist als das er nicht auch die herrschenden Verhältnisse in Port-au-Prince darstellt. Weiterlesen

Miriam Gebhardt: Wir Kinder der Gewalt. Wie Frauen und Familien bis heute unter den Folgen der Massenvergewaltigungen bei Kriegsende leiden

Rezension von unserem Berlinkorrespondenten Rolf Maier-Lenz

Miriam Gebhardt
Foto: Oliver Rehbinder

Miriam Gebhardt ist Journalistin und Historikerin und lehrt als außerplanmäßige Professorin Geschichte an der Universität Konstanz. Neben ihrer journalistischen Arbeit, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und verschiedene Frauenzeitschriften, habilitierte sie sich mit einer Arbeit über Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert (2009). Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet (2011) sowie Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor (2012). Ihr Bestseller Als die Soldaten kamen (2015) über die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde breit besprochen und in mehrere Sprachen übersetzt. Miriam Gebhardt lebt in Ebenhausen bei München. Am Dienstag, dem 9. April 2019 präsentierte die Münchner Historikerin Miriam Gebhardt ihr neues Buch „Wir Kinder der Gewalt“ in der Urania in Berlin im Gespräch mit der Redakteurin des Berliner „Tagesspiegel“ Caroline Fetscher. Weiterlesen

Dov Alfon: UNIT 8200

Immer wenn Insider aus ihren Arbeitsgebieten berichten schaut man ihnen quasi über die Schultern. Wenn es sich dabei um einen Geheimdienstoffizier einer Sonderheit des israelischen Geheimdienstes handelt, verspricht man sich besondere Erkenntnisse. Diese liefert das Werk insbesondere dann wenn man die Strukturen, die Korruption und die technische Ausstattung des Geheimdienstes erkennt. Wer die innenpolitische Situation Israels z. Zt. im Fernsehen sieht kann eines aus dem Buch nachvollziehen. Spannendes Werk.

 

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Stiftung Warentest: Wegweiser durch die Vorsorge-Dokumente

Vorsorgevollmacht, Patienten- und Betreuungsverfügung: Alle wichtigen Formulare erklärt. Was welche Verfügung leistet und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. Die Finanztest-Experten beantworten alle Fragen bis hin zum Testament. Dieses Heft ist so wichtig wie eine Haftpflichtversicherung. Wer einmal in der Notaufnahme lag und keine Patientenverfügung hatte, der hat alle Verantwortung auf Angehörige geschoben. Selbstbestimmt durchs Leben gehen, ist für gesunde Menschen etwas Selbstverständliches. Unfall, Krankheit oder Alter können die Fähigkeit, frei über sich zu bestimmen, einschränken – oder sogar unmöglich machen. Wer frühzeitig festlegt, was er im Falle eines Falles zulässt oder ablehnt, rettet seinen Willen und seine Wünsche in die Zukunft. Aber wie macht man das? Was leistet die Verfügung? Und wo liegen Fallstricke? Der Wegweiser erklärt es. Weiterlesen

Bill Beverly: Dodgers

Ein echter Road Trip 3000 km durch ein Amerika, dass niemand so wahr haben will. Eine verwahrloste Gesellschaft. Da werden 4 junge Menschen, der jüngste 13 Jahre alt mit einem Mordauftrag los geschickt. Junge Menschen deren Lebensinhalt darin bestand Drogenhäuser zu bewachen. Der Autor bedient sich einer Sprache die kurz und knapp ist und keinen Raum für Schonung des Lesers lässt. Wer also auf diesem mörderischen Trip mitfährt, Nerven behalten.

 

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Jeong Yu-jeong: Der gute Sohn

Eine verwirrende Geschichte. Ein Mann wacht auf und stellt fest, dass er seine Mutter getötet hat. Oder doch nicht. Eine Reise ins Innere eines Menschen beginnt. Was ist war, was nicht? Wir lernen dabei ein bisschen was es heißt Koreaner zu sein. Welchen Einfluss kann eine Mutter, oder die Tante auf einen jungen Menschen nehmen. Zwölf ausgewählte Bücher gehen in diesem Jahr bei Books at Berlinale ins Rennen um die Aufmerksamkeit der geladenen Filmproduzent*innen. „The Good Son” (You-jeong Jeong, Republik), The Artists Partnership, Großbritannien ist eines davon.
Jeong Yu-jeong (geb. 1966) wird »Koreas Stephen King« genannt. Ihre psychologisch ausgefeilten Kriminalromane stehen regelmäßig an der Spitze der Bestsellerliste. Sie arbeitete als Krankenschwester und als Sachverständige der staatlichen Gesundheitsversicherung, bevor sie zu schreiben begann. Als Autorin trat sie an die Öffentlichkeit mit ihrem ersten Roman My Life’s Spring Camp. Für ihre Werke erhielt sie 2007 den Segye Youth Literary Award und 2009 den renommierten Segye Ilbo Literary Award. Weiterlesen