Alle Artikel von Elke Rossmann

Operation Butterfly, Corine Hartman, Tomas Ross

Ein heißer Spionagethriller, bei dem es rumpelt. In dem Buch mischen alle mit, die Nato, Putin, der Mossad, die Türken, Syrier, der IS, die italienische Mafia und auch tschetschenische Rebellen. Da kann man sich vorstellen, dass es knallt und kracht. Es erinnert an John le Carré mit einer großen Portion von Verschwörungstheorien, die manchmal so wild sind, dass man schmunzeln muss.

Dennoch ein starker Thriller um die Machtkämpfe der Geheimdienste und politischen Ränkespiele in unserer Welt.

 

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Dunkle Wasser, Louise Doughty

Dunkle Wasser ist ein erzählerisch großes Buch. Auch wenn man beim Lesen das Gefühl bekommt, dass die Geschichte kein Anliegen hat, berichtet sie doch von den wichtigsten Themen im Leben. Schuld, Liebe, Politik und Verrat.

John Haper lebt in einer einsamen Hütte auf Bali und wartet auf seine Henker. Er ist sich sicher, man wird ihn töten, wegen seiner Vergangenheit. Als er jedoch Rita begegnet, bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen diesen beiden reifen Menschen an, in deren Verlauf Haper wieder Boden unter seinen Füßen bekommt. Er fragt sich, ob seine Paranoia nur ein Resultat seiner eigenen Schuldgefühle ist. Ein wunderbares, sehr kluges Buch, geschrieben von einer lebenserfahrenen, reifen Autorin.

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Der Weihnachtswald

Ein wirklich nettes Buch, das wunderbar in die Adventszeit passt. Ein modernes Märchen, bei dem es um Familie, Liebe und natürlich Weihnachten geht. So richtig etwas zum Entspannen bei Tee und Vanillekipferln.

Jedes Weihnachten fährt die erfolgreiche Anwältin Eva nach München zu ihrer Großmutter. Die alte Dame lebt in einem sehr alten Anwesen, das berühmt ist für seinen Tannenwald. Der Weihnachtswald besteht aus ehemaligen Christbäumen, die nach Weihnachten seit mehr als achtzig Jahren dort gepflanzt werden. Doch Eva hat kein Interesse an dem Anwesen und dem verträumten Wald. Als kalte pragmatische Geschäftsfrau kann sie auch nicht verstehen, warum Oma Anna jedes Jahr ein Waisenkind ins Haus holt, um mit ihm Weihnachten zu feiern. Doch dieses Jahr passiert etwas Unbegreifliches. Eva wird gegen ihren Willen, mit dem Sohn der Haushälterin und dem Waisenkind auf eine Reise geschickt, eine Reise in die Vergangenheit.

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Sophie Hénaff: Das Revier der schrägen Vögel

Nun kommt endlich der Nachfolgeband von Kommando Abstellgleis. Kommissarin Anne Capestan führt weiterhin ihre Schrottbrigade. Ein Revier, das aus Alkoholikern, Spielern, Pechvögeln, Schwulen und mittlerweile auch einem Polizeihund besteht. Die Weihnachtszeit steht vor der Tür und die schrägen Vögel des Reviers langweilen sich. Dann wird Capestan erstaunlicherweise zu einem aktuellen Mordfall gerufen. Wobei schnell klar wird, warum man sie involviert. Erstens ist der Tote ein Polizist und zweitens Anne Capestans noch Schwiegervater. Wenn sich einer mit dem Fall die Finger verbrennen kann, dann ihre Loser. Doch wie immer werden diese unterschätzt, denn aus dem Mord wird schnell eine Serie und das Kommando Abstellgleis lässt nicht locker.

Ich habe mich wieder kaputt gelacht! Die Brigade bekommt Zuwachs in Form von D‘ Artagnan oder besser gesagt einem Polizisten, der sich dafür hält und einer cleveren Polizeiratte, die beide herrlich in das Team der schrägen Vögel passt.

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Die Herzlichkeit der Vernunft, Ferdinand von Schirach, Alexander Kluge

Das Buch ist ein Zwiegespräch zweier großer Denker, die man selbst als Philosophen bezeichnen möchte. So drehen sich ihre Gespräche um Sokrates, Voltaire, Kleist, Schirachs Theaterstück Terror und die Politik im Allgemeinen. Was mir als bekennenden Bewunderer von Ferdinand von Schirach wieder einmal auffiel, war die Wortwahl des Autors. Wo Alexander Kluge seine Theorien und Vorstellungen eher etwas verschachtelt darstellt und den Leser zu einem zweiten und auch dritten Durchlesen veranlasst, um das Gesagte zu verstehen, bleibt Ferdinand von Schirach sich treu. Das einfache, verständliche Wort ist seine Zauberformel. Und immer wieder trifft er damit den Nagel auf den Kopf. Solch ein Buch kann ich nicht lesen, ohne einen Bleistift zur Hand, damit ich mir wichtige Stellen markieren kann und darüber nachdenken werde. Ein Stück deutsche Literatur, wie wir es nur noch selten lesen können.

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Ashland & Vine, John Burnside

Wunderschöne, intelligente Literatur des schottischen Autors John Burnside. Seine Geschichte, die das Leben von Jean Louise erzählt, vermisst weder Spannung noch politische Aussage. Ein Stück Gegenwartsliteratur, welches die amerikanische Historie von 1935 bis in die heutige Zeit kritisch beleuchtet. Es fehlt aber auch nicht an großen Gefühlen, wenn Jean Louise Culver über Homosexualität, Rassismus, der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära und über den Vietnamkrieg berichtet, und wie all das ihre Existenz prägte. Die ganze Geschichte wird durch das Gespräch einer alten Frau mit einer jungen etwas verlorenen Studentin vermittelt und setzt bei beiden einen Prozess der Selbstfindung in Gang.

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Gefährliche Saat, Jens Kubo

Djamal Khadim, ist Deutscher, jung, klug und mit seiner Nina glücklich. Auch wenn seine Wurzeln im Irak liegen, sind alle in seiner Familie gemäßigte Islamisten. Seine Mutter ist Ärztin, sein Vater Historiker und der behauptet von sich, dass der Glaube und Allah ein Teil seines Lebens sind, doch das er weder für Allah noch für einen anderen Gott in den Krieg ziehen würde. Doch dann lernt Djamal durch seinen religiösen Cousin, Yussuf Asmani kennen. Einen charismatischen Mann, der mit seinem tiefen Glauben an Allah, den jungen Mann in seinen Bann zieht. Djamal scheint in Yussuf endlich die Antwort auf all seine Fragen gefunden zu haben. Was Djamal nicht weiß, Yussuf Asmani ist einer der meistgesuchten Terroristen, ein Dschihadist, der bereits unter Observierung steht und das nicht nur vom BND, selbst die CIA verfolgt den Mann. Als man Djamal mit Asmani sieht, wird Djamal verhaftet und gerät in die Mühlen der Geheimdienste, was seinen plötzlich verwirrten Glauben noch stärkt und ihn tiefer in die Arme des Dschihad treibt.

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Weiss für Wut und Rot für Rache, Jari Järvelä

Die ersten zwei Bände einer Trilogie von Jari Järvelä aus Finnland.

Wer sind eigentlich die Künstler, die Bahnwagons, Wände von Häusern und Unterführungen beschmieren, Sprayer mit Namen, wie Rust, Metro oder Banksy. Und sind es Schmierereien, wie die Sicherheitsleute es sehen oder doch Künstler und Rebellen, die ein politisches Manifest verbreiten. Mit seiner Krimitrilogie taucht der Autor tief in die Welt dieser meist entwurzelten jungen Graffitikünstler ein. Metro und Rust sind ein Paar und sprayen, das ist ihr Leben. Doch in Finnland ist es ein schweres Vergehen, das hart geahndet wird. Firmen engagieren Sicherheitsdienst, die alles andere als sanft mit den „Bazillen“ umgehen, wenn sie erwischt werden. Als Metro und Rust wieder einmal in der Nacht auf einem Güterbahnhof arbeiten, geraten sie in eine Großrazzia der Ratten, wie sie diese Sicherheitsdienstleute nennen. Doch dieses Mal gibt es kein Entkommen, jedenfalls nicht für Rust. Er wird vorsätzlich von einem Wachmann vom Dach gestoßen und stirbt. Metro, die mit einem Boot entkommen konnte, sieht die Liebe ihres Lebens fallen und schwört Rache!

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Still ruht der Wald, Ninni Schulmann

Mitten im herbstlichen Wald Schwedens findet eine Elchjagd statt. Eine ruhige fast beschauliche Sache, an der viele einheimische Jäger teilnehmen, darunter auch die Polizeichefin Petra Wilander. Man kennt sich, man vertraut sich, doch als einer der Jäger tot aufgefunden wird, mit einer Kugel in seinem Kopf und seine dreizehnjährige Tochter vom Erdboden verschluckt scheint, greif Misstrauen über die Bevölkerung des kleinen Landstrichs, wie eine zähflüssige Ölpest. Man beschuldigt sich, man misstraut sich gegenseitig und dann fällt ein weiterer Schuss. Unter den Bewohnern ist auch die Reporterin Magdalena, die eigentlich Elternzeit hat und mit ihrem Neugeborenen mehr schlecht als recht zurande kommt. Dennoch muss sie sich einmischen und deckt eher ungewollt ein echtes Drama auf. Obwohl es eine fast einfache Geschichte ist, so ist sie doch unglaublich spannend und bis zur letzten Seite sehr mysteriös.

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Der Fengshui-Detektiv, Nury Vittachi

Fengshui, wie würde man das erklären? C.F.Wong ein Meister in dieser Kunst vielleicht so: „Die Harmonie zwischen Ying und Yang in einem Gebäude, die es ermöglicht das Chi frei fließen zu lassen.“ Seine siebzehnjährige Praktikantin aus Australien, die er nicht ganz freiwillig einstellen musste, vielleicht so: „Streichen Sie die Wände lachsfarben, rücken sie das Sofa vors Fenster und trinken Sie ein Glas Orangensaft jeden Tag.“ Zwei Welten treffen aufeinander und das ist ein Vergnügen, denn Fengshui Meister Wong und seine so verwirrende Praktikantin richten nicht nur die schlechten atmosphärischen Störungen in Wohnungen und Gebäuden Singapurs, sie lösen auch ganz nebenbei Verbrechen. Zum Schreien komisch, weise und auch etwas lehrreich sind die wundervollen Krimis um Mr. Wong und Miss McQuinie. Auch wenn die Serie um den Fengshui-Detektiv bereits aus dem Jahre 2003 stammt, sind sie dennoch aktuell und unbedingt lesenswert.

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