Alle Artikel von Elke Rossmann

Strafe, Ferdinand von Schirach

 

Strafe ist ein direkter Nachfolger der Erzählungsbände Verbrechen und Schuld. Wieder schildert Ferdinand von Schirach in seinen Kurzgeschichten die Ereignisse aus dem Leben von Juristen. Wobei der Fokus, der schwierigen Kriminalfälle nicht darauf liegt, was nach dem Gesetz Recht und Unrecht ist. Daher geht es dem virtuosen Autor weniger um die Rechtswissenschaft als um die moralischen Gesichtspunkte hinter einem Verbrechen. Es sind Geschichten von Menschen, die Täter werden, weil sie Opfer waren, von Anwälten, die Mörder mit Hilfe von Verfahrensfehlern frei bekommen, obwohl sie deren  Schuld zweifellos kennen. Ferdinand von Schirach ist ein Meister der wenigen Worte, der ohne literarische Schnörkel zum Punkt kommt. Das Buch ist ein Geniestreich, wie jedes seiner bisherigen Romane! Weiterlesen

Ein deutsches Mädchen, Heidi Benneckenstein unter Mitwirkung von Tobias Haberl

Wenn man schon in den Babyschuhen mit einem rechtsradikalen Elternhaus konfrontiert wird, macht das etwas mit einem. Wenn man als Schulkind in militanten rechten Jugendorganisationen völkisch erzogen und gedrillt wird, muss man es definitiv als Missbrauch bezeichnen. Doch die Frage stellt sich, ist somit ein Lebensweg vorgezeichnet? Heidi Benneckenstein, deren Geschichte hier erzählt wird, ging den Weg eines aktiven Neonazis, bis zu ihrem Ausstieg. Ein deutsches Mädchen zeichnet ihre Geschichte auf. Weiterlesen

Film: Winchester – Das Haus der Verdammten, Kinostart 15.März 2018

Spuk, Grusel, ein übernatürlicher Thriller nach wahren Begebenheiten

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 Nervenstark muss man schon sein, um den Film genießen zu können. Doch für Spuk- und Gruselfilm-Fans ein echtes Juwel, denn um sich richtig fürchten zu können, muss gar nicht viel Blut fließen. Weiterlesen

Film: 1000 Arten Regen Zu Beschreiben, Kinostart 29.März 2018

Rezension von Lutz Reigber

Melodrama

Seit vielen Wochen hat sich Mike, gerade 18 geworden, in seinem Zimmer eingeschlossen. Er ist nicht krank. Er hat sich bewusst dazu entschieden, am Leben draußen nicht mehr teilzunehmen. Die Eltern Susanne (Bibiane Beglau), Thomas (Bjarne Mädel) und seine Schwester Miriam (Emma Bading) stehen fragend vor der Tür und warten, fordern, flehen, weinen, rasten aus, verzweifeln, beschuldigen, ignorieren und hoffen. Doch die Tür bleibt verschlossen. Im Kampf um den Sohn und Bruder spiegeln sich die eigenen Geschichten in Lügen, Ablenkung, Familienstreitigkeiten und Hilflosigkeit. Die Mutter sucht sich einen Ziehsohn, der Vater entwickelt ein Helfersyndrom und die Schwester hat Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden. Je mehr sie nach Mikes Gründen forschen oder vor ihrer Ohnmacht fliehen, desto deutlicher werden ihnen ihre eigenen Verkettungen mit dem Leben, das sie nie wirklich hinterfragt haben, und das sie dem entsprechend nie wirklich bewusst angenommen haben.

 

Am Ende erkennen sie, dass sie durch ihr Verhalten der Rücksicht, der Fürsorge und Versorge, es Mike ermöglicht  haben, sich auf Dauer zurück zu ziehen. Es gibt nur einen Ausweg Mike zu helfen.

 

Ein durch die Akteure sehr gut getragenes Melodram, das den Regen unserer Zeit zeigt. Auch wenn es langatmig erscheint, bleibt man doch gefangen dabei um zu sehen, wie es mit den Protagonisten weiter geht.

Die Regisseurin Isa Prahl, 1978 geboren, studierte zunächst Grafik-Design in Hamburg sowie Literatur, Kultur und Medien in Siegen. Nach einem Redaktionsvolontariat in Köln begann sie ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien. Dort konzentrierte sie sich vor allem auf die kurze Form des Geschichtenerzählens.

„1000 Arten Regen zu Beschreiben“ ist ihr erster Langfilm und ist am 29.März 2018 erschienen.

Und dann gleich mit einem Problemfall der Neuzeit. „1000 Arten Regen zu Beschreiben“ bezieht sich auf das japanische Phänomen Hikikomori, welches sich jetzt auch in Europa zeigt. Jugendliche, die sich von der Gesellschaft zurückziehen und sich über Wochen oder sogar Monate einschließen, aus Gefühlen der Überforderung , Versagensängste und Erwartungshaltungen anderer, deren sie sich nicht gewachsen fühlen. Der Leistungsdruck, die vielen Entscheidungsmöglichkeiten, die Verpflichtungen, die sozialen Anpassungen bringen diese Jugendlichen auf dem Weg des Erwachsenwerden und Selbstfindung zur Überforderung und somit in die Isolation.

In Japan soll es schon mehr als 1 Million Jugendliche geben.

Die Szenenfotos wurden freundlicherweise honorarfrei von Filmpresse Meuser, Frankfurt zur Verfügung gestellt.

 

 

Die Einsamkeit des Todes, Petra Johann

Seit Jahren sind die beiden Brüder Max und Tobi zerstritten. Denn ausgerechnet auf einer Hochzeit erfuhr Max, dass seine schwangere damalige Verlobte eine Affäre mit seinem jüngeren Bruder Tobi hatte. So brach Max den Kontakt zu Tobi ab und trennte sich noch in dieser Nacht für immer von Sarah. Zwei Jahre später erhält er anonyme SMS, in denen er als Sarahs Mörder tituliert wird und dessen nicht genug, erfährt er bei der Testamentseröffnung seiner verstorbenen Mutter, das beide Brüder nur erben, wenn sie die Weihnachtsfeiertage gemeinsam im Elternhaus verbringen.

Als dann in dem Wald in der Nähe des Elternhauses, Sarahs alter Koffer gefunden wird, interessiert sich die Polizei plötzlich für die alte Geschichte, denn es bleibt nicht nur bei dem Koffer, nicht weit entfernt, liegt auch eine weibliche Leiche.

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Simon Beckett: Totenfang

Endlich ist der vierte Roman der Serie um den forensischen Anthropologen David Hunter auch als Taschenbuch erschienen. Es hat einige Jahre gedauert, bis der Autor den vierten Band nachlegte, doch es hat sich gelohnt. Ein sehr spannender Thriller, der an Leichen nicht geizt. David Hunter ist seit dem Skandal nicht mehr bei der Polizei gefragt, selbst seine Stelle an der Universität steht auf wackeligen Beinen, als endlich wieder ein Anruf kommt. In den Backwater wurde eine Wasserleiche gesichtet und man braucht einen Spezialisten bei der Bergung. Ein brisanter Job, da vermutet wird, dass der Tote Leo Villiers, der Spross eine der einflussreichsten Familien in der Gegend ist. David plant den Job kurz einzuschieben, bevor er das Wochenende mit Freunden verbringt. Nur daraus wird nichts! Denn kaum ist die Leiche an Land gebracht, landet David selbst im Wasser. Sein Wagen wird fast von der Flut erwischt, er wird pitschnass, krank und findet sich dann im Bootshaus der Familie wieder, die mit Leo Villiers Verschwinden eng verknüpft ist.

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Juli Zeh: Leere Herzen

„Da. So seid ihr.“ Das sind die ersten vier Worte von Juli Zehs neuem Roman. Und ich schwöre Ihnen, wenn Sie das Buch gelesen haben, werden Sie über diese zwei kleinen Sätze lange nachdenken.

Ein unglaublich spannender Politthriller, der in nicht allzu ferner Zukunft spielt. Einem Deutschland, das Merkel hinter sich gelassen hat, und von der BBB Partei regiert wird. Man versteht sehr schnell, wer sich hinter dem Pseudonym BBB verbirgt. Das Bürger- und Menschenbild, das Juli Zeh in ihrem Roman kreiert, ist leider bereits auf dem besten Weg, die Zukunft von Deutschland zu übernehmen. Die Saat, des zynischen Pragmatismus, die Hoffnungslosigkeit, Verantwortungslosigkeit und das Desinteresse an Politik fängt bereits an, unsere Grundrechte und die Demokratie zu gefährden. Das Buch ist nicht nur eine Mahnung, es ist ein hochintelligenter Politthriller, der so spannend ist, dass man ihn nicht weglegen kann und vor allen Dingen noch lange darüber grübeln wird.  Literatur der Superlative! Gratulation Frau Zeh!

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Simo Hiltunen: Die Stunde des Wolfes

Man kann Monster erschaffen, wenn man seine Kinder nur lange genug quält. Aus Opfern werden dann Täter und geben die Erfahrungen an ihre eigenen Kinder weiter. Im schlimmsten Falle aber werden sie zu Serienkillern, die ihre Wut nicht mehr unter Kontrolle haben. Eine Serie von Familientötungen hält Finnland in Atem. Auch wenn alles darauf hinweist, dass die Väter ihre beiden Kinder und die Ehefrau ermordeten, bevor sie sich selbst töteten, ist der Polizeireporter Lauri Kivi skeptisch. Für eine große Reportage seiner Zeitung besucht er noch einmal die Angehörigen der Selbstmordtäter. Er stellt sich und der Polizei die Frage, ob nicht doch ein geschickter außenstehender Mörder diese sogenannten Familientötungen verübt haben könnte. Doch damit bringt er nur sich selbst in Verdacht, denn auch er hat eine gewalttätige Kindheit hinter sich gebracht, die es ihm unmöglich machte jemals ein liebevolles Verhältnis mit Menschen einzugehen.

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