Schnelles Lesen, langsames Lesen – Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen, Maryanne Wolf

Die digitale Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. So lesen unsere Kinder auf Handys, iPads und dem Laptop. Doch wie gut ist die Qualität des Lesens mit diesen Medien? Eines weiß die Wissenschaft bereits: 1. Wie gut wir lesen, ist nicht nur ein Indikator für die Qualität unseres Denkens, sondern gutes Lesen hilft, auch völlig neue Entwicklungen bei der Gehirnevolution unserer Spezies den Weg zu bereiten. 2. Das einseitige digitale Lesen ist nicht so tief und konzentriert, wie das Lesen eines Buches. Und das unsere Kinder durch die Reizüberflutung kein Wissensreservoir mehr im Gehirn verankern. Was wohlmöglich künftig zur Folge hat, dass die Fähigkeit beim Lesen Analogien zu bilden und Rückschlüsse zu ziehen, verkümmert. Das kritische Denken und auch die Empathie sind in Gefahr, wenn den nächsten Generationen nicht mehr vorgelesen wird und sie keine Bücher mehr in der Hand haben.

Maryanne Wolf warnt vor der Entwicklung und versucht einen ausgeglichenen Weg zwischen intensiven Lesen von Büchern und Querlesen der digitalen Medien zu finden.

Für ein wissenschaftliches Buch sind die Untersuchung von Maryanne Wolf und ihre Schlussfolgerungen unglaublich spannend!

Fotocopyright: Rod Searcey

Maryanne Wolf ist Professorin für kindliche Entwicklung, Kognitions- und Literaturwissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Zusammenhängen zwischen dem Gehirn und dem Lesen sowie Leseschwächen. Sie forscht und lehrt an der Tufts University in Massachusetts und an der University of California in Los Angeles. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. Auf Deutsch erschien von ihr zuvor „Das lesende Gehirn“ (2009).

Welcher Bücherwurm hatte nicht schon diese Erlebnisse, völlig und total in einer Geschichte zu sein und dort mitzuerleben, mitzuleiden und mitzugewinnen! Wie wichtig bei der Entwicklung des kindlichen Gehirns Geschichten sind, die den Kleinsten vorgelesen werden und im Schulalter dann selbst gelesen werden, weiß man heutzutage. Das Mitleiden mit Helden, dem Armen, Verletzten und zu Unrecht bestraften, bildet unsere Empfindungswahrnehmung aus. Das Verständnis für Menschen, die Empathie, das Aufbegehren gegen Demütigungen und Gemeinheiten müssen sich entwickeln bei Kindern. Ein wichtiges Mittel sind Geschichten, die ein Kind mitreißen und in Rollen schlüpfen lässt. Jedoch ist das Lesen solcher Geschichten mit digitalen Medien nicht so intensiv, wie das Lesen in einem guten alten Papierbuch. So fragt man sich, was geht verloren und was bildet sich bei unseren Kindern erst gar nicht aus?

Zitat:

„…, was unsere Kultur längst getan hat: ein komplettes Arsenal an aufmerksamkeitskapernden Geräten mit Suchtpotenzial einzuführen, ohne die leiseste Ahnung von deren möglichen Auswirkungen und Nebenwirkungen auf die Versuchspersonen (unsere Kinder) zu haben.“

Selbst der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Google, Eric Schmidt warnte in einem Interview:

Zitat:

„Ich mache mir Sorgen, dass das Ausmaß an Unterbrechungen, die unerhörte Geschwindigkeit der Informationen (…) tatsächlich die Wahrnehmung verändern. Sie stehen tieferem Denken im Wege.“

Da wir nichts zurückdrehen können, brauchen wir einen gesunden Umgang mit den digitalen Medien. Das Vorlesen und Bücher lesen, ist und bleibt in der Zukunft wichtig, denn ein Handy und Laptop, mit YouTube und Internet sind kein Ersatz für Mutter, Vater oder einen Babysitter.

Sehr spannend, beängstigend, wahr und vor allem sehr anschaulich geschrieben. Maryanne Wolff verkompliziert nicht ihren Text. Sie versucht mit einfachen Worten ihr Anliegen zu erklären, dass doch für uns alle große Folgen haben kann. Dabei merkt man, mit wie viel Liebe sie bei der Sache ist und mit dem Herz bei den Kindern.

Schnelles Lesen, langsames Lesen, Maryanne Wolf, Penguin Verlag, gebundenes Buch, Seiten 258, ISBN 978-3-328-60099-2, Euro 22,00.

 

 

 

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