Benedikt Gollhardt: Westwall

Hochaktueller Politthriller, der besonders unter Berücksichtigung der erst vor Kurzem veröffentlichten NSU-Untersuchungsausschuss-Berichte der Länder und des Bundes an Brisanz gewinnt. Der Autor bearbeitet in seinem Thriller den rechtsextremen Terrorismus, die unkontrollierten, an Willkür grenzenden Machenschaften des Verfassungsschutzes und der Vernetzung von Polizeibeamten in nationalen, rechten Bündnissen. Und wie er selbst sagt, die großen Themen, wie Liebe, Verrat und Moral.

Sehr spannende Geschichte, die gut erzählt ist und leider von der Realität nicht zu weit entfernt! Man merkt einfach, dass Benedikt Gollhardt Journalist und erfahrener Drehbuchschreiber ist.

 

Benedikt Gollhardt, Jahrgang 1966, ist Drehbuchautor. Bekannt wurde er unter anderem durch preisgekrönte Serien wie »Türkisch für Anfänger« und »Danni Lowinski«. Mit seinem Thrillerdebüt »Westwall« greift Benedikt Gollhardt das aktuelle Gefühl unserer Zeit auf, in der die Grenzen zwischen Gut und Böse zunehmend zu verschwimmen scheinen. Der Autor lebt mit seiner Familie in Köln.

Fotocopyright: Cornelis Gollhardt

Julia Gerloff ist eine Polizistin in Ausbildung. Sie liebt es eine Bullette zu werden, auch wenn sie in ganz anderen Verhältnissen groß geworden ist. Ihr Vater Wolfgang war ein Aussteiger und ihre Kindheit verbrachte sie von der Welt abgeschnitten in einer Bauwagen-Kommune an einem einsamen See. So ist ihr Wunsch Polizistin zu werden, nur eine Art Rebellion gegen ihren Vater, den sie trotz allem sehr liebt.

Alles in allem ist Julia zufrieden mit Ihrem Leben, auch wenn ihr Vater nach einem schweren Unfall mittlerweile permanente Pflege braucht. Sie pendelt nonstop zwischen ihrer Wohnung, der Polizeiausbildungseinrichtung in Brühl und der Wohnung ihres Vaters hin und her.

Zeit für die Liebe und Leidenschaft bleibt da wenig. Umso erstaunter ist Julia, als Nick völlig unerwartet in ihr Leben tritt. Plötzlich ist dieses Gefühl der Verliebtheit da und nach der ersten gemeinsamen Nacht spürt sie, dass etwas in ihrem Leben fehlte. Jedoch bricht dieser Traum auf brutalste Weise zusammen, als Julia am anderen Morgen das Tattoo eines riesigen Hakenkreuzes auf dem Rücken des schlafenden Nicks entdeckt.

Als sie mit Hilfe eines Kollegen Nick durchleuchtet, muss sie feststellen, dass er sie von hinten bis vorne angelogen hat. Eigentlich heißt er Chris Eisermann und hatte als Jugendlicher eine lange Strafakte. Von Drogenmissbrauch, Drogenhandel, Körperverletzung und der Mitgliedschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation, kann Chris, aka Nick alles vorweisen.

Julia bricht sofort mit ihm, doch Nick lässt nicht locker. Als er ihr alles erklären will, werden beide in seiner Wohnung angegriffen und es kommt zu einer Granatenexplosion. Leicht verletzt findet sich Julia in einem Krankenhaus wieder und wird von Kollegen befragt, jedoch von Chris fehlt jede Spur. Sie fragt sich, ob er tot ist und welches mysteriöse Geheimnis Chris mit sich herumträgt. Dabei merkt sie gar nicht, dass es einzig und alleine um sie geht.

Erst als geliebte Menschen sterben wie die Fliegen, ihre Kollegen, der Verfassungsschutz, Chris und eine rechtsextreme Organisation hinter ihr her sind, begreift sie, worum es geht. Sie muss die Sache endgültig in ihre eigenen Hände nehmen und macht sich auf den Weg zum Westwall.

Eine sehr interessanter Thriller, der gemäß dem Autor eine Chance auf Fortsetzung hat und vielleicht sogar als Serie bei einem der Streamingdienste umgesetzt wird.

Westwall, Benedikt Gollhardt, Penguin Verlag, Taschenbuch, 469 Seiten, ISBN 978-3-328-10412-4, Euro 15,00.

 

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