Jeder lügt so gut er kann, Harald Martenstein

Mit 68 kurzen Geschichten/Kolumnen unterhält Harald Martenstein wieder bittersüß seine Leser. Mit einem fast liebevollen Sarkasmus bringt er uns zu einem lauten Lachen, das mit dem nächsten Satz dann schon wieder in der Kehle stecken bleibt. Er ist ein Beobachter, der seine Mitmenschen bewusst bewertet. Dabei stellt er sich gegen das Gut-Mensch-Sein, die ewige Toleranz und vor allem den Konformismus. Und sein Spektrum ist breit, ob Politik, Kindererziehung, Tierhaltung, Geschichte oder Fußball, jeder kriegt sein Fett weg. Man muss nicht immer einer Meinung sein mit Herrn Martenstein, dennoch kann man seine klugen, bissigen Kolumnen genießen. Ein Buch für jede Gelegenheit, ein Buch, das Spaß macht und auch die grauen Zellen in Gang bringt.

Harald Martenstein, geboren 1953, ist Autor der Kolumne »Martenstein« im ZEITmagazin und Redakteur beim Tagesspiegel. 2004 erhielt er den Egon-Erwin-Kisch-Preis. Sein Roman »Heimweg« wurde mit der Corine ausgezeichnet, 2010 bekam er den Curt-Goetz-Ring verliehen. Sein zweiter Roman »Gefühlte Nähe« erhielt höchstes Kritikerlob. Zuletzt erschienen »Nettsein ist auch keine Lösung« und »Im Kino«.

Foto Copyright: C.Bertelsmann

Martensteins Blick auf die Welt ist unverfälscht. Er kommt auf den Punkt und den Kern des Wesens einer Sache zurück und führt so vieles ad absurdum. Auch hat er keine Angst den Mainstream zu verlassen, im Gegenteil es scheint ihm ein Anliegen zu sein. Vor allem wenn es um Berichterstattung in Fernsehen und Zeitungen geht.

Zitat aus dem Buch:

>Ich beneide alle Menschen, die einen intellektuellen Beruf ausüben können, ohne dabei groß nachdenken zu müssen. Das Problem ist ja nicht dieser Junge Wissenschaftler. Das Problem besteht darin, dass mancherorts jeder noch so irre Satz veröffentlicht wird. Hauptsache Wörter wie „Geschlechterrollen“, „Vorurteile“ und „Rassismus“ kommen darin vor.<

Nun sollte man nicht meinen, dass der Autor einen politischen Artikel damit meinte. Martenstein bezieht das Gesagte auf ein Interview, das mit dem Politologen Oliver Emde beim Jugendmagazin der Süddeutschen Zeitung veröffentlich wurde. Er hat mit seinem Team die beliebtesten Hörspiele für Kinder untersucht. Unter anderem Benjamin Blümchen, Bibi Blockberg und TKKG

Das Resultat: Die kleine Hexe Bibi Blockberg vermittelt „starre Geschlechterrollen“ und bei TKKG werden „rassistische Vorurteile“ verbreitet. Nur Benjamin Blümchen kam gut dabei weg, da er Demonstrationen mit Waldtieren initiiert und somit ein lebendiges Bild der Demokratie spiegelt, in der es darum geht, sich nicht alles gefallen zu lassen.

Tja, ich stimme Ihnen zu, Herr Martenstein, manchmal ist die Menschheit nicht zu retten. Denn scheinbar lügt jeder so gut er kann!

Jeder lügt so gut er kann, Harald Martenstein, Bertelsmann Verlag, gebundene Ausgabe, 208 Seiten, ISBN 978-3-570-10337-1, Euro 18,00.

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