Alex Beer: Die rote Frau, Ein Fall für August Emmerich

Die rote Frau von Alex Beer

Auch das zweite Buch mit dem Rayonsinspektor August Emmerich ist eine absolute Krimiperle. Wieder gelingt es der Autorin ein absolut atmosphärisch dichtes Bild einer zerstörten Stadt und einer zerrissenen Gesellschaft zu zeichnen. Wien 1920, die Einen sterben, die Anderen feiern. Korruption und Standesdünkel blühen. Die überlebenden Soldaten, physisch und psychisch am Ende, werden manipuliert und für gewissenlose Konzepte missbraucht. Ein Roman der aufzeigt, wie diese Zeit das „1000 jährige Reich“ vorbereitet hat.

 

Alex Beer
Foto Ian Ehm

Alex Beer, geboren in Bregenz, hat Archäologie studiert und lebt in Wien. Nach Der zweite Reiter, der von der Presse hochgelobt und mit dem Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet wurde, erscheint mit Die rote Frau jetzt der zweite Band der spannenden Reihe um Rayonsinspektor August Emmerich.

MÄRZ, 1920: Vor der weltpolitischen Kulisse, die die umgreifenden Systemveränderungen nach dem Ersten Weltkrieg auch in Österreich bzw. Wien spiegelt, thematisiert die Autorin eine gespaltene Gesellschaft: Menschen, die endlich auf Frieden und demokratische Erneuerung hoffen und jene, die das alte Kaiserreich unbedingt reinstallieren wollen.

Doch das Kernthema des Romans ist der Krieg gegen die Minderheiten – ein Terminus, der meistens in der Zeit des Nationalsozialismus verortet wird. Dabei ist die Idee der Volksgesundheit viel älter: Die „positive Eugenik“, also die Förderung der Tüchtigen, wird zum zentralen Mordmotiv in Die rote Frau. Man ahnt die dunklen Schatten, die Alex Beer durch Anspielungen vorauswirft: In Die rote Frau muss Emmerich notgedrungen in ein sogenanntes Männerwohnheim ziehen. Dabei ist es genau jenes in der Meldemannstraße, in der von 1910 bis 1913 der damals junge und mittellose Adolf Hitler lebte.

Alex Beer: Die rote Frau Ein Fall für August Emmerich, Kriminalroman, Limes Verlag, gebundenes Buch mit Schutzumschlag ISBN: 978-3-8090-2676-1, € 20,00

 

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