Gay Talese: Der Voyeur

Da ist einer, der hat ein Motel und beobachtet 15 Jahre lang durch ein präpariertes Loch Menschen. Er schreibt auf was er sieht und teilt es dem Sachbuchautor Talese mit. Schockierend? Erhellend? Studie? Es ist auch ein bisschen von Allem. Am Ende des Buches vergleicht der Voyeur die Überwachung des Staates mit seinen vielen Kameras mit seinem Voyeurismus. Interessant!

Gay Talese
Foto: Rachel Cobb

Gay Talese, geboren 1932 in Ocean City, gilt als Mitbegründer des literarischen Journalismus. In den frühen Sechzigern arbeitete Talese zunächst für die New York Times. Seine berühmtesten Artikel aber, u.a. Porträts über Joe DiMaggio und Frank Sinatra, sind im Esquire erschienen. Mit seinen Reportagen und Büchern, darunter der Bestseller Ehre deinen Vater über einen Mafia-Clan und Du sollst begehren über die sexuelle Revolution, gehört er neben Tom Wolfe, Hunter S. Thompson und Truman Capote zu den wichtigsten Vertretern des New Journalism. Zuletzt erschien von ihm Der Voyeur bei TEMPO (2017). Gay Talese lebt mit seiner Frau Nan in New York.

 

Ein skandalöser Fall, ein kontroverses Buch, eine verstörende Lektüre. Gerald Foos hat eine Obsession: Er will alles über das Sexleben anderer Menschen wissen. Zu diesem Zweck kauft er ein Hotel in Colorado. Jahrzehntelang observiert er seine Gäste und notiert akribisch, was er sieht, den Wandel sexueller Sitten von den späten 1960er Jahren bis heute: Sex mit Ehefrauen oder Geliebten, Gruppensex, gleichgeschlechtlichen Sex, Sex mit sich selbst – oder auch gar keinen Sex. Und er beobachtet nicht nur, er greift auch ins Geschehen ein, mit fatalen Konsequenzen … In den achtziger Jahren wendet sich Foos schließlich an einen der berühmtesten Journalisten unserer Tage: Gay Talese. Foos, der sich selbst als Soziologe sieht, will seine Erkenntnisse über die menschliche Natur endlich mit jemandem teilen. Talese ist sofort fasziniert, aber es wird noch Jahrzehnte dauern, bis die Geschichte von Gerald Foos an die Öffentlichkeit gelangt – und einen veritablen Skandal verursacht.

 

Sind wir nicht alle ein bisschen Voyeur?

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