Andy Weir: Artemis; Interview mit dem Autoren

Andy Weir
Foto Aubrie Pick

Man kann seine Karriere eigentlich nur als kometenhaften Aufstieg bezeichnen. Im Jahr 2009 stellte Andy Weir die ersten Kapitel seines Debütromans Der Marsianer online, der Roman wurde ein Überraschungserfolg, kurz darauf sicherte sich ein Verlag die Rechte und Der Marsianer stand monatelang auf den internationalen Bestsellerlisten. Spätestens seit der spektakulären Verfilmung des Stoffes durch Ridley Scott gehört Andy Weir zu den ganz Großen im Literaturgeschäft. Mit Artemis hat er nun seinen zweiten Roman veröffentlicht und sich trotzdem die Zeit genommen, ein paar Fragen zu beantworten.

Mr. Weir, Ihr erster Roman spielte auf dem Mars und löste einen regelrechten Hype um
den roten Planeten aus. Was hat Sie dazu bewogen, Ihren zweiten Roman Artemis auf
dem Mond anzusiedeln?

Ich wollte eine Geschichte über die erste menschliche Stadt schreiben, die sich nicht auf der
Erde befindet, und ich denke der Mond ist der realistischste Ort dafür. Er ist schließlich der
Himmelskörper, der der Erde am nächsten ist, und vor allem – und das spielte eine unheimlich
wichtige Rolle bei meinen Überlegungen –, ist er nahe genug, dass zwischen Erde und Mond
ein florierender Handel und auch Tourismus möglich wäre.

Was glauben Sie, wie wird sich die Raumfahrt in den nächsten Jahren entwickeln?
Denken Sie, dass es eine Stadt wie Artemis tatsächlich eines Tages geben wird?

Ja, ich denke schon. Ich glaube, dass die privaten, wirtschaftlich orientierten
Raumfahrtagenturen den Preis für Flüge in den Erdorbit früher oder später so weit drücken
werden, dass sich jeder normale Mittelklassebürger eine Reise ins Weltall leisten kann. Und
wenn es soweit ist, wird ein völlig neuer Wirtschaftszweig entstehen – der Weltraumtourismus.

Ihre beiden Romane Der Marsianer und Artemis spielen Ende des 21. Jahrhunderts.
Könnten Sie sich vorstellen, einmal ein Buch zu schreiben, das in der fernen Zukunft
spielt?

Nein, ich denke eher nicht. Ich muss gestehen, dass ich ein richtiger Wissenschaftsfreak bin,
und darin liegt auch meine Stärke. Ich liebe Geschichten, in denen wissenschaftliche Fakten
eine große Rolle spielen, und ich versuche, so viel wie möglich davon in meine eigenen
Romane miteinzubauen. Deshalb liegen mir Geschichten in der nahen Zukunft eher, als welche,
die Tausende von Jahren in der Zukunft spielen.

In Der Marsianer ist Ich-Erzähler Mark Watney die Hauptfigur. Mit Jazz Bashara haben Sie
für Artemis eine weibliche Protagonistin und Erzählstimme gewählt. War es für Sie
anders – oder vielleicht sogar schwieriger – aus der Perspektive einer Frau zu schreiben?

Ich war zu Beginn sehr nervös, was die weibliche Erzählstimme anging. Ich habe mir
permanent Sorgen gemacht, dass Jazz nicht glaubwürdig genug rüberkommen könnte. Aber ich
habe versucht, mein Bestes zu geben. Ich habe jede Frau, die ich kenne, dazu verdonnert, das
Manuskript zu lesen und mir dann ihre Meinung zu sagen. Ein bisschen burschikos ist Jazz
zugegebenermaßen schon, aber sie ist immerhin auch in einer rauen Umgebung aufgewachsen, in der es auch mal etwas härter zugeht. Deswegen, denke ich, dass es schon in Ordnung geht, wenn sie ab und an ein wenig maskulin daherkommt.

Wenn Sie die Chance bekämen, einen Tag auf dem Mond oder dem Mars zu verbringen,
würden Sie es tun?

Auf gar keinen Fall. Ich verdiene zwar meinen Lebensunterhalt damit, über tapfere und
mutige Menschen zu schreiben, aber ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich bleibe lieber auf der
guten alten Erde.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, einen Ihrer Lieblingsautoren zu treffen – egal ob tot oder
lebendig –, wen würden Sie treffen wollen und was würden Sie ihn oder sie fragen?

Ich wäre gerne Terry Pratchett begegnet, der absolut großartig war. Ihn würde gerne fragen,
wie er es schafft, dass seine Figuren so unglaublich komisch und gleichzeitig so tiefgründig sind.

Welche Autoren und Romane waren sonst noch für Sie prägend?

Ich bin mit der klassischen Science-Fiction der 1950er-und 1960er-Jahre groß geworden –
das hat mich stark beeinflusst. Robert A. Heinlein, Arthur C. Clarke und Isaac Asimov zählen zu
meinen Lieblingsautoren. Und wenn Sie mich nach meinem absoluten Lieblingsbuch fragen –
das ist Ich, der Roboter von Isaac Asimov.

Vielen Dank für das Gespräch!

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