Simo Hiltunen: Die Stunde des Wolfes

Man kann Monster erschaffen, wenn man seine Kinder nur lange genug quält. Aus Opfern werden dann Täter und geben die Erfahrungen an ihre eigenen Kinder weiter. Im schlimmsten Falle aber werden sie zu Serienkillern, die ihre Wut nicht mehr unter Kontrolle haben. Eine Serie von Familientötungen hält Finnland in Atem. Auch wenn alles darauf hinweist, dass die Väter ihre beiden Kinder und die Ehefrau ermordeten, bevor sie sich selbst töteten, ist der Polizeireporter Lauri Kivi skeptisch. Für eine große Reportage seiner Zeitung besucht er noch einmal die Angehörigen der Selbstmordtäter. Er stellt sich und der Polizei die Frage, ob nicht doch ein geschickter außenstehender Mörder diese sogenannten Familientötungen verübt haben könnte. Doch damit bringt er nur sich selbst in Verdacht, denn auch er hat eine gewalttätige Kindheit hinter sich gebracht, die es ihm unmöglich machte jemals ein liebevolles Verhältnis mit Menschen einzugehen.

Simo Hiltunen, arbeitete als Journalist für eine große finnische Zeitung. Er lebt in Helsinki. Die Stunde des Wolfes ist sein erster Roman.

Lauri Kivi durchlief gemeinsam mit seinem Bruder Toumas als Kind die Hölle. Sein Vater war ein Trinker, der brutal seine Familie zusammenschlug und so unterwarf. Lauri verlor durch die Prügel sein Gehör und kann nur noch mit einem Hörgerät auf einem Ohr etwas wahrnehmen. Sein Bruder verschwand spurlos als Teenager. Seither brodelt eine boshafte kaum zu kontrollierende Wut in seinem Inneren, die ihm verbietet Menschen näher zu kommen. Er musste als junger Mann seine Frau und seine kleine Tochter verlassen, bevor er betrunken zu weit gegangen wäre. Ein Selbstschutz auf Kosten der Tochter, die denkt, ihr Vater wäre bei einem Autounfall getötet worden.

Mittlerweile ist er ein sehr erfolgreicher Polizeireporter bei einer der großen Zeitungen. Doch seine eigene Vergangenheit holt ihn ein, als er in den Familientötungen recherchiert, die sich immer mehr häufen. Er glaubt an einen außenstehenden Mörder, da die Väter, denen die Tat zugeschrieben wird, kein wirkliches Motiv für ihre Taten hatten. Er spricht für eine Reportage mit den Angehörigen, den Eltern der Selbstmörder. Es ist furchtbar, denn nicht nur glauben die Eltern, die Geschwister an die absolute Unschuld ihrer Söhne und Brüder, sie werden auch von den Nachbarn, der Gemeinde abgestempelt, als eine Art Mittäter. Als Lauri eine Kinderzeichnung eines der ermordeten Töchter in die Hand fällt, ist er der Einzige, der die kleinen weißen Kreuze bemerkt, die nachträglich dort gezeichnet wurden. Doch das bringt ihn selbst in das Visier der Polizei, man verhaftet ihn, da er für die Familienmorde kein Alibi hat. Doch in der Nacht, die er im Gefängnis verbringt, ereignet sich eine weitere Familientragödie. Wieder werden kleine Kreuze gefunden. Somit ist er als Täter entlastet und entschließt sich, den Mörder in der Zeitung zu verhöhnen, um ihn aus der Reserve zu locken. Damit wird er zur Zielscheibe. Niemals hätte er damit gerechnet, dass der Mörder sich seine Tochter vornehmen wird, denn das es sie gibt, ist eines der größten Geheimnisse in Lauris Leben. Vor allem, da die junge Frau mittlerweile ein bekannter Popstar in Finnland ist.

Richtig guter Thriller, der sich um soziale Missstände dreht, die Ignoranz von Nachbarn, Ärzten und dem Umfeld misshandelter Kinder. Es geht um unhaltbare Wut, um Rache und der Unmöglichkeit zu verzeihen.

Die Stunde des Wolfes, Simo Hiltunen, RL Verlag, broschiert, Seiten 495, ISBN 978-3-35200-904-4, Euro 14,99.

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