Dunkle Wasser, Louise Doughty

Dunkle Wasser ist ein erzählerisch großes Buch. Auch wenn man beim Lesen das Gefühl bekommt, dass die Geschichte kein Anliegen hat, berichtet sie doch von den wichtigsten Themen im Leben. Schuld, Liebe, Politik und Verrat.

John Haper lebt in einer einsamen Hütte auf Bali und wartet auf seine Henker. Er ist sich sicher, man wird ihn töten, wegen seiner Vergangenheit. Als er jedoch Rita begegnet, bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen diesen beiden reifen Menschen an, in deren Verlauf Haper wieder Boden unter seinen Füßen bekommt. Er fragt sich, ob seine Paranoia nur ein Resultat seiner eigenen Schuldgefühle ist. Ein wunderbares, sehr kluges Buch, geschrieben von einer lebenserfahrenen, reifen Autorin.

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Louise Doughty, geboren 1963, ist die Autorin von bislang sieben Romanen. Zuletzt erschienen bei C. Bertelsmann „Was du liebst“ und „Ein Schritt zu weit“, übersetzt in 27 Sprachen und verfilmt mit Emily Watson in der Hauptrolle. Louise Doughty lebt mit der Familie in London

Fotocopyright: C. Bertelsmann

 

John Haper, der als Nicolaas in einem japanischen Internierungslager in Indonesien geboren wird, hat eine schwere Kindheit. Sein Vater ebenso ein Mischling, indonesischer und holländischer Eltern wird von den Japanern enthauptet. Seine hochschwangere Mutter bringt den Säugling unter elenden Umständen zu Welt. Ihr gelingt es mit ihrem Sohn wieder nach Holland zu kommen, doch aufgrund ihres egozentrischen, traumatisieren Charakters, hat es der kleine Junge schwer. Mit ihr tingelt er durch die Welt von einem Ehemann zum anderen. Nach seinem Militärdienst fängt er bei einer Firma an, die wirtschaftliche und politische Beratungen für Firmen in Krisengebieten durchführt. Da er selbst dunkelhäutig ist und indonesisch spricht, setzt man ihn in Jakarta ein. Schnell merkt er, dass die Firma nicht nur Beratungen vornimmt, sondern zusammen mit der CIA bewusst in politische Krisen eingreift und steuert. Wobei Menschenleben dabei keine Rolle spielen. So macht sich John Haper selbst schuldig an dem grausamen Tod von Menschen und das lässt ihn nicht mehr los. Als er in Jakarta versagt und einen Nervenzusammenbruch bekommt, wird er von der Firma in die Hütte auf Bali geschickt. Er rechnet damit, dass die Firma Mörder beauftragen wird, die ihn mit Macheten abschlachten, so wartet er mehr oder weniger auf das Unausweichliche, bis ihm Rita begegnet. Mit ihr spürt John wieder Hoffnung, glaubt an die Zukunft. Er fragt sich, ob die Todesangst nur ein paranoides Hirngespinst seines vor Schuldgefühlen zerfressenem Gewissen ist.

Politisch, menschlich und erzählerisch ein Hochgenuss. Die Massaker 1965 und die folgende Militärdiktatur in Indonesien werden genauso hautnah beschrieben, wie die Rassenbewegungen in Los Angeles und dem Kalten Krieg in Europa. Auch die persönliche Geschichte John Hapers ist mitreißend. Eine Kindheit gezeichnet von Schicksalsschlägen, Willkür und der Liebe von Nicolaas Stief-Großvater, dem afroamerikanischen Bürgerrechtsanwalt, der den kleinen Jungen, ohne Vorbehalte in sein Herz schließt.

Suchen Sie noch ein wirklich tolles Buch, um es Weihnachten zu verschenken? Dann rate ich Ihnen zu Dunkle Wasser. Eine Geschichte, die jeden Erwachsenen anspricht, egal welchen Geschlechts oder Alters.

Dunkle Wasser, Louise Doughty, C. Bertelsmann Verlag, gebundene Ausgabe, 382 Seiten, ISBN 978-3-570-10299-2, Euro 20,00.

 

 

 

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