Ashland & Vine, John Burnside

Wunderschöne, intelligente Literatur des schottischen Autors John Burnside. Seine Geschichte, die das Leben von Jean Louise erzählt, vermisst weder Spannung noch politische Aussage. Ein Stück Gegenwartsliteratur, welches die amerikanische Historie von 1935 bis in die heutige Zeit kritisch beleuchtet. Es fehlt aber auch nicht an großen Gefühlen, wenn Jean Louise Culver über Homosexualität, Rassismus, der Kommunistenhatz der McCarthy-Ära und über den Vietnamkrieg berichtet, und wie all das ihre Existenz prägte. Die ganze Geschichte wird durch das Gespräch einer alten Frau mit einer jungen etwas verlorenen Studentin vermittelt und setzt bei beiden einen Prozess der Selbstfindung in Gang.

John Burnside – écrivain – portrait – à Paris
(c) Olivier Roller/Fedephoto/Studio X

John Burnside geboren 1955 in Schottland, ist einer der profiliertesten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur. Der Lyriker und Romancier wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Corine-Belletristikpreis des ZEIT-Verlags, dem Petrarca-Preis und dem Spycher-Literaturpreis. Sein Prosawerk erscheint auf Deutsch seit vielen Jahren im Knaus Verlag.

 

Mehr durch einen Zufall begegnet die Filmstudentin Kate Jean Louise Culver. Kate macht gerade eine schwierige Zeit durch. Nach dem Tod ihres Vaters ist sie aus der Spur geraten und lebt mit dem dubiosen Filmemacher Laurits zusammen. Gemeinsam geben sie sich Alkoholexzessen hin. Als Kate für Laurits Bewohner der kleinen Stadt für ein Filmprojekt befragen soll, steht sie plötzlich vor dieser sehr alten, doch unglaublich agilen Jean Louise. Diese verspricht Kate, ihre Geschichte zu erzählen, wenn die Studentin fünf Tage ohne Alkohol auskommen kann.

So beginnt ein Prozess, des Findens und Wiederfindens. Kate hört auf zu trinken und besucht Jean regelmäßig, um mehr über ihr ereignisreiches Leben zu erfahren. So beginnt Jean ihre Erzählung mit dem Tag, als ihr Vater 1935 in St. Louis erschossen wurde und sie und ihr Bruder Vollwaisen wurden. Die Tat, die als Beziehungsmord behandelt wurde, hatte jedoch rassistische Hintergründe, denn ihr Vater war Anwalt und setzte sich massiv gegen die Rassentrennung ein. Jean führt Kate anhand ihres eigenen Lebens durch die schlimmsten historischen Ereignisse Amerikas bis Ende des 20. Jahrhunderts. Und am Schluss finden beide Frauen ihren eigenen Frieden, sodass Jean endlich gehen kann, denn ihre Geschichte wurde erzählt und ihr selbst verziehen.

Dieses Buch ist etwas für Liebhaber guter Frauengeschichten, für politisch und historisch interessierte Leser und für alle die wortgewandte Erzählkunst schätzen.

Ashland & Vine, John Burnside, Knaus Verlag, gebundene Ausgabe, 411 Seiten, ISBN 978-3-8135-0461-3, Euro 24,00.

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