Verena Lugert: „Die IRREN mit dem Messer

Die Irren mit den MessernVerena Lugert, eine erfolgreiche freie Journalistin, gibt mit 39 Jahren ihre lukrative Tätigkeit auf, um in der besten Kochschule „Le Cordon bleu“ in London, Köchin zu werden. Schon in dieser Schule erfährt sie in einem sieben monatigen Intensivlehrgang, wie hart der Beruf ist. Nach erfolgreichem Diplom will sie es wissen. Kann ich jetzt wirklich kochen? Wie ist es in den besten Küchen der Welt?

Daraufhin fängt sie, auch noch ausgerechnet, in einen der härtesten Küchen an, bei Gordon Ramsay. Jetzt geht es erst richtig los. Sie, als älteste mit 39 Jahren, muss sich der Hierarchie der Küche anpassen, begreifen, den sehr jungen Souschefs und Chefs von 22 und 23 Jahren was sagen lassen,  bei Fehlern anschreien und  niedermachen lassen und immer mit dem Selbstzweifel, warum mache ich das eigentlich..

Verena Lugert (Copyright Knut Gärtner)

Verena Lugert (Copyright Knut Gärtner)

Ich bin selbst ausgebildeter Koch und habe unter den von Verena Lugert beschriebenen Bedingungen noch gelernt. Auch ich war einer dieser Verrückten, die 16 Stunden gearbeitet haben, 8 Stunden war nur ein halber Tag. Alles bei sehr wenig Gehalt, man wollte ja weiterkommen, fürs Zeugnis, die suche nach Perfektion. Es darf kein Fehler passieren, es könnte der nächste Restaurantkritiker im Publikum sein. Man will entweder den Stern er kochen, erhalten oder vermehren.

Ich habe die allergrößte Hochachtung vor Verena Lugert, die mit fast 40, diesen Schritt gewagt und durchgehalten hat. Durchzuhalten bei Gordon Ramsay. Wer es wissen möchte, kann sich im Internet Scenen aus seiner Küche ansehen „ Hell´s Kitchen“

Besonders gut hat Frau Lugert den Punkt des Durchhaltens beschrieben. Aber auch nur, weil sie sich zeitliche Ziele gesetzt hat, anders hätte sie bestimmt aufgegeben. Doch wenn man es erst mal geschafft hat, dazu zu gehören, ist man genauso verrückt, verzichtet auf Familie und Freunde, denn die Familie ist nun das Team. Man will dazu gehören. Man ist dann selber ein Junkie. Verena Lugert beschreibt die Gegebenheiten und Situationen authentisch. Es ist die Wahrheit. Tatsachenbericht.

Ich selbst habe mich in vielen Situationen wiedergefunden, daher warf sich für mich die Frage auf, wer ist die Zielgruppe, alle Sterneköche, alle Köche und Mitarbeiter der Gastronomie oder auch der normale Leser. Frau Lugert hat ihre Zeit in der Gastronomie so spannend und mitfühlend geschrieben, dass man mit ihr immer mitfiebert. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, man bekommt einen hervorragenden Einblick in die Gastronomie und der Suche nach Perfektion.

Verena Lugert studierte Literatur in München, Valencia und Lissabon. Sie unterrichtete ein Jahr als Lektorin an der Universität in Shanghai und eines in Malaysia, absolvierte in Hamburg die Henri-Nannen-Schule, war Stipendiatin in Peking und Redakteurin bei NEON. Danach arbeitete sie frei, pendelte sieben Jahre zwischen Bali und Hamburg, verantwortete die Buchseiten der Schweizer Frauenzeitschrift ANNABELLE und der NEON und schrieb Reportagen für STERN, GEO und MERIAN. Mit Ende dreißig hängte sie ihre Karriere als Magazin-Journalistin an den Nagel, um ihr Glück künftig in engen, stickigen Küchen zu suchen. An der legendären Kochschule Le Cordon Bleu in London ließ sie sich zur Köchin ausbilden und begann anschließend als kleinstes Licht in einer Brigade des Celebrity-Kochs Gordon Ramsay.

Verena Lugert: „Die IRREN mit dem Messer“ Hardcover, Knaur HC
 272 S., ISBN: 978-3-426-21424-4, € 19,99

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