Heinrich Steinfest: Der schlaflose Cheng

Steinfest ist der Literarische Georg Kreisler. A bisserl schräg, gewitzt und ein ausufernder Erzähler. Er vermag eine spannende Kriminalstory mit Sience Fiktion, Länderbeschreibungen und Kulturgeschichte so zu vermischen, dass ein rundum gelungenes Buch herauskommt. Mit seinem einarmigen Detektiv, dessen fiktionalen Hund, schickt er uns in den entlegensten Winkel Islands. Auf dieser Reise treffen wir, die Leserschaft, die skurrilsten Menschen. Den isländischen Polizisten der ein Schweitzer ist, eine Sekretärin die eigentlich Detektivin sein sollte. Ein Buch wie ein Füllhorn mit ausgefallensten Einfällen. Weiterlesen

Fiona Jeffries: Wir haben nichts zu verlieren außer unsere Angst. Vom Widerstand in schwierigen Zeiten

Der Widerstand in schwierigen Zeiten war schon immer mutig und vor allem wichtig. Gerade jetzt befinden wir uns wieder in einer globalen Krise, die weitschürfende Veränderungen bewirkt kann. Die Zeiten des Aufbruchs in mehr Solidarität, Toleranz und Globalisierung scheinen vorbei zu sein. Jetzt reagieren nicht nur die diktatorisch, despotischen Regierungen mit strengerer Sparpolitik auf Krisen, sie stocken zur gleichen Zeit wieder die Etats fürs Hochrüsten der „öffentlichen Sicherheit“ auf. Die Welt hat mehr Migranten, die ihre Heimatländer verlassen als je zuvor. Das alles macht Angst!

Wirklich? Oder ist die Angst, den eigenen sozialen Status zu verlieren, arbeitslos oder sogar obdachlos zu werden, die Angst vor der Zukunft nur ein Mittel zum Zweck, um die Bürger klein und ruhig zu halten? Wird Angst als Waffe missbraucht, um Kontrolle zu behalten?

Diese Frage stellt Fiona Jeffries acht Experten in ihrem hervorragenden, klugen und vor allem interessanten Buch. Ein Augenöffner für alle, die Angst um die Welt haben, die den besonderen Kick brauchen, wieder auf die Straße zu gehen und „Nein“ zu sagen. Wir bestimmen unsere Welt unsere Gesellschaft und eigentlich haben wir nichts zu verlieren. Außer unsere Angst!

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Gary Victor: Im Namen des Katers

Neuer Fall für den Dirty Harry von Port-au-Prince. Der Autor entführt uns in die Unterwelt von Haiti. Diese Land das absolut in kein Schema passt, das scheinbar nur aus Korruption, Misswirtschaft und Verbrechen besteht, hat einen aufrechten Polizisten. Na ja, aufrecht im Sinne einer rechtstaatlichen Sicht ist das natürlich nicht. Da räumt Inspector Azémar schon mal mit seinem Dienstrevolver Bösewichte von der Bildfläche. Gary Victor ist zu sehr Journalist als das er nicht auch die herrschenden Verhältnisse in Port-au-Prince darstellt. Weiterlesen

Kokainmeere, Die Wege des weltweiten Drogenhandels, Ana Lilia Pérez

Dieses Buch ist die reale Antwort auf Don Winslows Thriller, Tage der Toten, Das Kartell und Jahre des Jägers. Unter Einsatz ihres Lebens hat die investigative Journalistin über die Machenschaften der mexikanischen Mafia und die internationalen Drogenhandelswege geschrieben. Es ist ein Dokument, das einem das Gruseln lehrt, denn die kriminelle Kreativität und Brutalität, der besonders mittelamerikanischen Kartelle sucht seinesgleichen. Doch es sind nicht nur die Hersteller, es sind die Akteure in den Konsumländern Europas, die Netzwerke, Handelsrouten und vor allem die Rolle der internationalen Behörden, die dieses kriminelles Gewerbe ermöglichen. Ein höchst interessanter journalistischer Bericht einer mutigen Frau im Kampf gegen die Mafia!

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Miriam Gebhardt: Wir Kinder der Gewalt. Wie Frauen und Familien bis heute unter den Folgen der Massenvergewaltigungen bei Kriegsende leiden

Rezension von unserem Berlinkorrespondenten Rolf Maier-Lenz

Miriam Gebhardt
Foto: Oliver Rehbinder

Miriam Gebhardt ist Journalistin und Historikerin und lehrt als außerplanmäßige Professorin Geschichte an der Universität Konstanz. Neben ihrer journalistischen Arbeit, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Zeit und verschiedene Frauenzeitschriften, habilitierte sie sich mit einer Arbeit über Die Angst vor dem kindlichen Tyrannen. Eine Geschichte der Erziehung im 20. Jahrhundert (2009). Sie ist Autorin mehrerer Bücher, darunter Rudolf Steiner. Ein moderner Prophet (2011) sowie Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor (2012). Ihr Bestseller Als die Soldaten kamen (2015) über die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde breit besprochen und in mehrere Sprachen übersetzt. Miriam Gebhardt lebt in Ebenhausen bei München. Am Dienstag, dem 9. April 2019 präsentierte die Münchner Historikerin Miriam Gebhardt ihr neues Buch „Wir Kinder der Gewalt“ in der Urania in Berlin im Gespräch mit der Redakteurin des Berliner „Tagesspiegel“ Caroline Fetscher. Weiterlesen

Nichts weniger als ein Wunder, Markus Zusak

Nichts weniger als ein Wunder ist tief und berührend, wie es schon die Bücherdiebin war. Die Geschichte einer Familie, die durch Tod und Trauer zerbricht und von denen nur fünf Brüder übrig bleiben. Einer von ihnen ist Clay, der beschließ für sich, seinen Vater und seiner Brüder eine Brücke zu bauen. Eine Brücke, die die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und die Trauer der Familie heilen soll. Auch wenn es ihm nur schwer gelingt, diese Brücke zu bauen, so wird allein der Vorsatz es zu tun, jeden seiner Brüder berühren und für immer verändern.

Sprachgewaltig, traurig, wunderschön und hoffnungsvoll, eben Zusak!

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Federico Varese: Mafia Leben, Liebe, Geld und Tod im Herzen des organisierten Verbrechens

Zu wem geht John Le Carree um sich für seine Krimis beraten zu lassen. Wo holt er sich die Informationen zu seinen authentischen Krimis. John Le Carree lässt sich von Federico Varese beraten. Federico Varese, Professor für Kriminologie in Oxford, der schon seine Doktorarbeit über das organisierte Verbrechen, sprich der bekanntesten Mafiaorganisationen von der Camorra, Ndrangheta, Triaden, Yakuza und der russischen Mafia, geschrieben hat. Seine Informationen hat er immer aus erster Hand erhalten, weil er nicht anklagend mit den Mitgliedern sprach, sondern nur Fragen gestellt hat, wie funktioniert was.
Bis heute hält er Kontakte bis zu den höchsten Spitzen, Führern, Paten. Weiterlesen

Heine Bakkeid: Triff mich im Paradies

 

Thorkild Aske, einst Verhörspezialist in der internen Ermittlung bei der Polizei, überfährt im Drogenrausch seine Freundin. Daraufhin wird er aus dem Polizeidient entlassen und inhaftiert. Nach mehreren Selbstmordversuchen überredet ihn sein Psychologe und Freund als Berater für die berühmte Krimiautorin Milla Lind tätig zu werden.

 

 

 

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Aromenfeuerwerk Vegetarisch – Die neue grüne Küche, Katharina Küllmer, EMF

In diesem fast künstlerisch illustrierten Kochbuch geht es um vegetarische Küche, die zum Teil auch vegane, glutenfreie und laktosefreie Rezepte anbietet. Dabei wird das ganze Spektrum vom Frühstück über Smoothies, Brote, Snacks, Dips zu Suppen, Salaten, Hauptspeisen und natürlich Kuchen und Desserts abgearbeitet.

Eines unter vielen vegetarischen Kochbüchern? Nein, ganz bestimmt nicht, denn die meisten Rezepte habe ich so zum ersten Mal gesehen. Auch die Zutaten und ich musste hier und da googeln, um zu erfahren, was zum Beispiel Edamame sind. Auch wenn die Zubereitung etwas Zeit braucht, vor allem beim Einkauf aber auch in der Küche, so lohnt es sich. Denn die Vielfalt und das Aromafeuerwerk machen diese vegetarischen Rezepte zu kleinen äußerst leckeren Kunstwerken.

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Der NSU-Prozess Die Protokolle, Ramelsberger, Ramm, Schultz, Stadler

Die Protokolle des NSU-Prozess sind zeitgenössische Dokumente, denen in Bezug auf den Rechtsradikalismus und Rassismus in Deutschland eine geschichtlich hohe Bedeutung zukommt. Von vier Journalisten der Süddeutschen Zeitung wurden der über fünf Jahr laufende Strafprozess gegen eine Frau und vier Männer täglich protokolliert und somit für die Nachwelt erhalten. Ein wichtiges Dokument, das die inhumanen und zynischen Untiefen der deutschen rechtsradikalen Rassisten auslotet. Ein erschreckender Einblick, bei dem man sich ständig fragt, wie ist das im heutigen Deutschland überhaupt möglich?

Obwohl es sich um den Originalton der Gerichtsverhandlung handelt, die gekürzt aber unverändert auf 2016 Seiten dokumentiert wurden, lesen sich die fünf Bücher, wie ein spannender, zum Teil absurder Thriller. Keine einfache Kost, die Gefühle wie Wut, Trauer, Entsetzen und Unglauben im Leser hervorrufen. Doch sollte jeder mündige Bürger diese Dokumente lesen, um in Zukunft die subversiven, rechtsradikalen Menschenfängern als das zu enttarnen, was sie sind: Verbrecher!

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